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Frankreich Sarkozys Stärke

 ·  Die Franzosen sehen in Zeiten einer nationalen Katastrophe einen verwandelten Präsidenten. Sarkozy ist entschlossen und konzentriert, nicht mehr zappelig und sprunghaft.

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© dpa Sarkozy hat mir klaren Entscheidungen positiv überrascht

Am Mittwoch stand François Hollande mit vier weiteren Präsidentschaftsbewerbern unter einem Zeltdach in der Kaserne von Montauban. Der sechste Kandidat ließ sie eine Stunde lang warten, bevor er zur Trauerfeier für die drei getöteten Fallschirmjäger erschien. Danach drehte sich alles um ihn, der eben zugleich Präsident ist. Nachdem Nicolas Sarkozy im Hubschrauber verschwunden und die Liveübertragung im Fernsehen vorüber war, blieb Hollande im Kasernenhof zurück und sprach noch ein paar Worte in eine Kamera. So ist das bei einer nationalen Katastrophe - der Herausforderer denkt, der Präsident lenkt.

Die Franzosen sahen diese Woche einen verwandelten Sarkozy: entschlossen und konzentriert statt zappelig und sprunghaft. Er ging ein hohes Risiko ein, als er seinen Innenminister nach Toulouse beorderte, bis der Attentäter gefasst sei. Doch der wurde schnell aufgespürt und gestellt. Zum Einsatz kam eine Sondereinheit der Polizei, die Sarkozy selbst gefördert hatte. Dass der Täter dann den Tod im Kugelhagel wählte, kann dem Staat niemand vorwerfen. Selbst wenn die Ermittlungen noch Dinge zu Tage bringen, die seine Behörden besser hätten wissen sollen, wird dies Sarkozy nicht schaden. Er hat mutig gehandelt und danach den richtigen Ton getroffen.

Vor einer Woche wirkte der Wahlkampf noch wie ein Duell der Technokraten. Es ging um Zahlen, die kaum ein Bürger verstand. Jetzt hat er zum ersten Mal ein Thema, das kein Kandidat gesetzt hat, das aber jeden Bewerber auf die Probe stellt: der Zusammenhalt der Republik angesichts des Terrors. Weil das den Amtsinhaber bevorteilt - der mit der Parole vom „starken Frankreich“ wirbt -, wird das Rennen um den Elysée-Palast wieder spannend. François Hollande hat zwar keinen Fehler gemacht in den vergangenen Tagen, aber er muss seinen Wahlkampf neu ausrichten. Sein Bild vom unbeliebten und spaltenden Präsidenten passt nicht mehr zur Wirklichkeit. Ob der Sozialist bisweilen an den Sommer 2001 denkt? Da sah er sich schon als neuen Premierminister; sein Parteifreund Jospin war angeschlagen, der Präsident Chirac wirkte erschöpft. Dann kam der 11. September.

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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort Politik in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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