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Frankreich hat gewählt Vorteil Hollande

Nach der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen liegt Herausforderer Francois Hollande vorne. Will Sarkozy in der Stichwahl noch gewinnen, müsste er die Stimmen der Rechtsextremen und der Mitte zugleich gewinnen - das wäre allerdings ein unerhörtes Kunststück der politischen Arithmetik.

© AFP Vergrößern Francois Hollande gibt sich nach dem ersten Wahlgang optimistisch

Die schweigende Mehrheit, an die Nicolas Sarkozy in den vergangenen Wochen appelliert hatte, ist vorerst stumm geblieben. Aus der ersten Runde der Präsidentenwahl ist sein Konkurrent, der sozialistische Kandidat François Hollande, als Sieger hervorgegangen. Das ist keine Überraschung: Hollande war der Favorit der Umfragen, und nach diesem Ergebnis wird es für Sarkozy noch schwieriger, den seit Monaten sichtbaren Trend umzukehren.

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Der Präsident hatte auf eine Überraschung im ersten Wahlgang gesetzt. Wäre er vorne gelegen, hätte das seiner Kampagne für die nächsten vierzehn Tage neue Hoffnung und neuen Schwung gegeben; bei den Sozialisten wären womöglich die Zweifel gewachsen, dass der uncharismatische Hollande es tatsächlich schaffen kann, als zweiter Politiker der Linken in der Geschichte der Fünften Republik das oberste Staatsamt zu erobern. Doch bisher geht die Strategie auf, ganz auf die schlechte Bilanz des amtierenden Präsidenten und die Abneigung gegen die Person Sarkozy zu setzen. Der hat noch als Trumpf das „Fernsehduell“ im Ärmel, in dem er vor den Franzosen die Unklarheiten und Widersprüche in Hollandes Programm ausbreiten wird.

In der ersten Runde der Präsidentenwahl zeigen sich die Präferenzen der Wähler in ungefiltertem, von Nützlichkeitserwägungen weitgehend freiem Zustand. Das offenbart eine recht erschreckende politische Landschaft: die Rechtspopulistin Marine Le Pen ist eine starke Dritte, der Kandidat der Linksfront (deren organisatorisches Rückgrat die Kommunisten sind), Jean-Luc Mélenchon, mit relativ großem Abstand Vierter. Es hat also ein Drittel der Wähler für Kandidaten gestimmt, die ein völlig weltfremdes Programm vertraten, aber eine große Gemeinsamkeit haben: ausgeprägt nationalistische, anti-europäische Grundüberzeugungen. Abgeschlagener Fünfter ist der Zentrist François Bayrou, der repräsentiert, was in Frankreich von den Christlichen Demokraten übriggeblieben ist.

Ein Hoffnungsfunken für Sarkozy ist es, dass Mélenchon schwächer abgeschnitten hat als erwartet. Das schmälert Hollandes Wählerreservoir für die Stichwahl. Doch will Sarkozy noch gewinnen, müsste er die Stimmen der Rechtsextremen und der Mitte zugleich gewinnen - das wäre allerdings ein unerhörtes Kunststück der politischen Arithmetik.

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Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 23.04.2012, 10:19 Uhr

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