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Frankreich Feuerprobe für den Innenminister

 ·  In Toulouse und mitten im Geschehen: Der französische Innenminister Claude Guéant bleibt nicht im fernen Paris, während in Südfrankreich nach dem Todesschützen gefahndet wird. Für ihn ist es die wichtigste Feuerprobe seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr.

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Es war eine kurze Nacht für den französischen Innenminister Claude Guéant, der als oberster Einsatzleiter die Fahndung in Toulouse nach dem Todesschützen leitete. Um drei Uhr morgens erging der Einsatzbefehl an die Polizisten der auf gefährliche Interventionen geschulten Spezialeinheit RAID (Recherche, Assistance, Intervention, Dissuasion), das Versteck des Hauptverdächtigen in einem ruhigen Wohnviertel zu stürmen. Wenige Stunden später stand Guéant schon vor seinem Toulouser Hauptquartier Rede und Antwort zum Verlauf des Einsatzes.

Für die an den zentralistischen Obrigkeitsstaat gewöhnten Franzosen ist das ein doppeltes Novum: Ein Innenminister, der sich an den Ort des Geschehens begibt und nicht nur aus der Hauptstadt die Ereignisse kommentiert, und ein Innenminister, der an der Seite der Polizisten seine Nähe zu den Einsatzkräften demonstriert.

Sarkozys „Kardinal“

Für den 67 Jahre alten Guéant handelt es sich um die wichtigste Feuerprobe, seitdem der hohe Staatsbeamte die Seiten gewechselt und in die Politik gegangen ist. Im Februar 2011 hatte Sarkozy ihm die Leitung des Innenministeriums übertragen. Zuvor wirkte Guéant im Hintergrund. Als Generalsekretär des Elysée-Palastes zog er alle Stränge in Sarkozys Machtnetzwerk. Dieser Schlüsselposition verdankte er seinen Spitznamen „der Kardinal“ in Anspielung auf die am französischen Königshof gefürchteten Kirchenfürsten vom Einfluss eines Richelieu oder eines Mazarin.

Guéant kann auf die klassische Laufbahn eines hohen Staatsbeamten zurückblicken: nach einem Jurastudium und „Sciences Po“ absolvierte er die Kaderschmiede Ena. Er ging in den Präfekturdienst und machte einen entscheidenden Karrieresprung, als der Altgaullist Charles Pasqua ihn 1993 zu seinem Büroleiter im Innenministerium ernannte. 1994 beförderte Pasqua ihn zum Generaldirektor der Nationalen Polizei. Pasqua war es auch, der Guéant an Sarkozy empfahl. Guéant begleitete fortan die Ministerkarriere Sarkozys und leitete 2007 seine Wahlkampagne.

Mission am rechten Rand des Wählerspektrums

Seither hat Guéant die Mission, den vom Front National umworbenen rechten Rand des Wählerspektrums abzudecken. Als Innenminister tat er das mit wechselndem Geschick. Im Februar führte er einen Skandal herbei, als er vor Studenten ausführte, nicht alle Zivilisationen seien „gleich viel wert“. Ein aus Martinique stammender sozialistischer Abgeordneter bezichtigte den Innenminister, dem Kampf der Zivilisationen das Wort zu reden. Sarkozy verteidigte seinen Minister, dessen Äußerungen dem „gesunden Menschenverstand“ entsprochen hätten. Die sozialistische Parteivorsitzende Martine Aubry nannte Guéant einen „Agressor“, der seine Zeit damit verbringe zu provozieren, „und hinterher tut er so, als sei er erstaunt darüber, dass es Reaktionen gibt“.

Guéant aber wirbt unbeirrt weiter für strikte Einwanderungskontrollen und die Verteidigung des französischen Wertekanons, in dem es keine Toleranz für Gebete auf der Straße oder das Tragen der Burka geben dürfe. Der 67 Jahre alte Witwer, der zwei erwachsene Kinder hat, will sich im Juni zum ersten Mal auch dem Votum der Wähler stellen. Er hat sich von der Präsidentenpartei UMP einen Wahlkreis im Pariser Vorort Boulogne-Billancourt reservieren lassen.

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Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

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