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Frankreich Deutscher und Marokkaner unter Terrorverdacht festgenommen

06.06.2003 ·  In Paris sind ein Deutscher und ein Marokkaner wegen mutmaßlicher Verwicklung in Anschläge des Terrornetzwerks Al Qaida festgenommen worden.

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In Frankreich sind ein Deutscher und ein Marokkaner wegen mutmaßlicher Verwicklung in Anschläge des Terrornetzwerks Al Qaida festgenommen worden. Bereits am Montag ergriffen Beamte auf dem Pariser Flughafen Roissy den 36 Jahre alten Duisburger Christian G., wie die Justiz in Paris am Donnerstag bekannt gab.

Im April vergangenen Jahres war G. kurzzeitig in deutscher Untersuchungshaft, weil er Kontakt zu den Attentätern gehabt haben soll, die bei einem Anschlag auf die Synagoge der tunesischen Ferieninsel Djerba 14 deutsche Touristen getötet hatten. Am Sonntag nahm die Polizei bei Paris einen aus Deutschland kommenden Marokkaner fest, der Kontakte zur „Hamburger Terrorzelle“ um die Attentäter vom 11. September gehabt haben soll.

Seit April 2002 im Visier

Christian G. sollte am Freitag oder Samstag einem Untersuchungsrichter vorgeführt werden, hieß es bei der Pariser Staatsanwaltschaft. Der zum Islam konvertierte Duisburger war nach dem Terroranschlag auf die Synagoge von Djerba im April vergangenen Jahres ins Visier der deutschen Ermittler geraten, weil er kurz vor dem Anschlag einen Anruf des Selbstmordattentäters Nizar Naouar erhalten hatte. In G.s Wohnung hatten Ermittler die Telefonnummer des Marokkaners Mounir El Motassadeq gefunden, der im Februar in Hamburg wegen seiner Beteiligung an den Terroranschlägen vom 11. September zu 15 Jahren Haft verurteilt worden war.

Medienberichten zufolge hatte Generalbundesanwalt Kay Nehm im vergangenen Monat wegen des Djarba-Attentats einen neuen Haftbefehl gegen G. beantragt, der aber von einer Bundesrichterin abgelehnt worden war. Nach NDR-Informationen warf Nehm dem 36-Jährigen vor, von dem geplanten Attentat auf Djerba gewußt, es aber nicht verhindert zu haben. Laut einem Bericht des „Spiegel“ hatte der in Pakistan verhaftete mutmaßliche Al-Qaida-Kommandant Khalid Sheikh Mohammed ausgesagt, G. habe enge Kontakte zu Terroristenführer Usama Bin Ladin gepflegt und als Kurier zwischen Bin Ladin und Sheikh Mohammad fungiert.

Anschlag auf La Réunion geplant?

G. war im vergangenen Jahr nach kurzer Untersuchungshaft in Deutschland auf freien Fuß gesetzt worden und dann im November überraschend nach Saudi-Arabien ausgereist. Dort wurde er Medienberichten zufolge im April wegen seiner mutmaßlichen Verwicklung in das Djerba-Attentat festgenommen, im Mai aber wieder freigelassen. Warum sich G. in Frankreich aufhielt, gab die Justiz zunächst nicht bekannt.

Einen Tag vor G. war nach französischen Justizangaben vom Donnerstag auf dem Pariser Flughafen Charles-de-Gaulle der 34-jährige Marokkaner Karim Mehdi festgenommen worden. Erste Vernehmungen des Marokkaners Karim Mehdi ergaben laut Staatsanwaltschaft, daß er einen Anschlag gegen einen Urlauberkomplex auf der französischen Insel La Réunion im Indischen Ozean geplant habe. Er habe außerdem zugegeben, Kontakte zur Al Qaida und zur „Hamburger Terror-Zelle“ gehabt zu haben.

Kontakt zu Todespiloten

Mehdi sei bei einer Zwischenlandung in Paris auf dem Weg von Deutschland nach La Réunion festgenommen worden. Der Pariser Anti-Terror-Richter Jean-Louis Bruguière habe ein Ermittlungsverfahren wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Gruppe eingeleitet. Mit dem Marokkaner wurde in Frankreich erstmals ein Verdächtiger im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September in den Vereinigten Staaten festgenommen.

Von Mehhdi und G. könnten sich die Ermittler Aufschluß über die Hintergründe des Anschlags von Djerba und über vermutete, bislang aber noch nicht erwiesene Verbindungen der „Hamburger Terrorzelle“ zu den Djerba-Attentätern erhoffen. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hatte sich Mehdi zeitweise in Afghanistan und Bosnien aufgehalten. Er gelte zudem als Vertrauter von Ziad Jarrah. Jarrah, ein in Deutschland studierender Libanese, saß am Steuer des entführten Flugzeugs, das am 11. September in Pennsylvania abgestürzt war.

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