21.05.2009 · Dass Wahlkampf auch vor Kirchentagen nicht Halt macht, verdeutlicht am Mittwochabend ein Auftritt von SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier nach dem Eröffnungsgottesdienst auf der Bremer Bürgerweide.
Dass Wahlkampf auch vor Kirchentagen nicht Halt macht, verdeutlicht am Mittwochabend ein Auftritt von SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier nach dem Eröffnungsgottesdienst auf der Bremer Bürgerweide. Wie der Bundespräsident, der katholische Bischof von Osnabrück und der Bremer Bürgermeister spricht er ein Grußwort, doch ist seines kämpferischer und länger.
Der - nach eigenem Bekunden - „Reformierte aus Westfalen-Lippe“ berichtet von der Sorge um Arbeitsplätze bei Opel, Karstadt, Hertie und andernorts, von in der Krise implodierten Vorstellungswelten, von der Angst um das Geld für Kindertagesstätten und Aufmärschen von Rechtsextremisten.
Aus den „Schwestern und Brüdern im Glauben“ in der Anrede werden „liebe Freundinnen und Freunde“ und schließlich, gleichsam verweltlicht, „meine Damen und Herren“. Die „Regeln, die wieder für alle gelten“ müssten, „auch für Manager“, fehlen nicht, ebenso wenig wie die Verkäuferin, die „wegen zwei Pfandbons entlassen“ wurde.
Dann erinnert Steinmeier an den früheren Bundespräsidenten Johannes Rau, der „uns Lesehilfe“ gegeben habe bei der Lektüre des Artikels 1 des Grundgesetzes zur Menschenwürde; Raus Nachfolger, das amtierende Staatsoberhaupt, sitzt derweil schräg hinter ihm. „Wir brauchen Euch alle!“, ruft Steinmeier in den Bremer Abendhimmel. Denn Kirchentage hätten vorgedacht, was sich später in der Politik ereignet habe. Freundlicher Beifall folgt.