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Samstag, 18. Februar 2012
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Frank Bsirske Janusköpfig

29.07.2008 ·  Nicht lange her, da schwor Frank Bsirske die Lufthansa-Mitarbeiter in Frankfurt mit einer kämpferischen Rede auf den Arbeitskampf ein. Seitdem ist von ihm öffentlich kaum etwas zum Streik zu vernehmen. Und das aus gutem Grund.

Von Hans-Christoph Noack
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Allein stand der Verdi-Streikposten im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens. Keine langen Schlangen, wenige Verspätungen - kein Streikerfolg am ersten Tag. Sein Gewerkschaftsführer, Frank Bsirske, war am Montag in der Öffentlichkeit abgetaucht. Vor einigen Wochen war dies noch anders: Da schwor der 56 Jahre alte Niedersachse mit einer kämpferischen Rede die Mitarbeiter in Frankfurt auf den Arbeitskampf ein, der am Montag begann. Seitdem ist öffentlich von Bsirske kaum etwas in Sachen Lufthansa zu vernehmen.

Und das aus guten Grund. Schließlich kann seine Rolle bei der Lufthansa als doppelköpfig umschrieben werden. Hier der Gewerkschaftsführer, dort der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der größten deutschen Fluglinie. Im ersten Fall der Kämpfer für Mitarbeiterinteressen und zugleich als Aufsichtsratsmitglied per Aktiengesetz verpflichtet, Schaden vom Unternehmen abzuwehren und den Unternehmenserfolg zu befördern. Diese jahrelange Janusköpfigkeit hat ihm den zweifelhaften Ruhm eingebracht, der erste Dax-Aufsichtsrat gewesen zu sein, dem eine Hauptversammlung die Entlastung verweigert hat. Das war 2003. Auch heute ist seine Rolle ein Problem. Dass nun Populisten aus den Parteien das Thema für einen Streiktag hervorholen, ist das eine, der nicht geheilte Systemfehler ein anderes.

Doch Bsirske geht es vor allem um den Zusammenhalt der zweitgrößten Gewerkschaft Deutschlands. Durch Fusionen verschiedener Gewerkschaften entstand ein Arbeitnehmervertretungsbauchladen, der Krankenschwestern, Müllarbeiter, Bank- und Versicherungsmitarbeiter ebenso betreuen muss wie Briefträger, Verkäuferinnen - bis eben hin zum Flughafenpersonal. Und je spezifischer die Kenntnisse der Mitglieder sind, desto mehr können sie sich selbst vertreten und für sich eintreten. Das zeigen die Abspaltungen von Verdi durch die Fluglotsen oder Flugbegleiter und - vor der Verdi-Gründung - der Piloten. Diese Zentrifugalkräfte zerren an der Verdi-Organisation, und Arbeitskämpfe, wie bei der Lufthansa, sollen Stärke demonstrieren.

Bsirske selbst kommt aus der ÖTV, wo er bis 1997 stellvertretender Bezirksvorsitzender in Niedersachsen war. Nach der Kommunalwahl in Hannover 1996 wurde der Sohn eines Arbeiters und Betriebsratsmitglieds bei VW und einer Krankenschwester auf Vorschlag der Grünen zum Personal- und Organisationsdezernenten der Landeshauptstadt bestellt. Er galt als sachorientierter, innovativer Vordenker, dem man einen integrativen Führungsstil und glänzende Rhetorik bescheinigte. Sein Karrieresprung an die Spitze begann, als er im November 2000 überraschend zum neuen Vorsitzenden der Gewerkschaft Öffentliche Dienste,Transport und Verkehr (ÖTV) in Leipzig gewählt wurde. Heute hat er bei Verdi keinen ernsthaften Gegenspieler, aber wohl auch, weil es keine Alternative für den begeisterten Teetrinker gibt. Denn wirklich geführt hat er Verdi nicht. Vielmehr versucht der Politikwissenschaftler und Liebhaber von Piratenfilmen die Erosion von Verdi zu begrenzen.

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