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Fraktur zum Weltuntergang Die ganz normale Hölle auf Erden

Warum es vielleicht nicht sooo schlecht gewesen wäre, wenn der Maya-Kalender doch recht gehabt hätte.

© Wilhelm Busch Vergrößern

Hurra, wir leben noch! Der 21. Dezember ist verstrichen, ohne dass uns der Himmel auf den Kopf fiel, wovor sich ja schon die Gallier fürchteten. Die ganz große Überschrift, mit der wir am Tag nach dem Ende der Welt erscheinen wollten, packen wir erst einmal wieder in den Stehsatz. Wir hatten, um ehrlich zu sein, auch schon befürchtet, dass es abermals nichts wird mit der Apokalypse. Höhenluft, dass wissen wir doch von unseren Urlauben in Österreich, ist einfach zu dünn für komplizierte Berechnungen. Wahrscheinlich vergaßen die Maya schlicht die Schaltjahre. Und dann schlugen wir den alten Indsmen auch noch das Schnippchen mit der Sommerzeit. Diesen Blödsinn hätte nicht einmal Winnetou, der hellsichtigste aller edlen Wilden, vorhersehen können.

Doch Vorsicht, nicht zu früh gefreut! Dass die Welt noch nicht unterging, heißt nicht, dass sie überhaupt nicht mehr untergehen wird. Wir wissen jetzt nur, dass wir nicht mehr wissen, wann der liebe Gott die Nase voll hat vom Euro, der Energiewende und unseren anderen Eseleien. Armageddon wird so überraschend vor der Tür stehen wie der Paketbote von Zalando. Nur hilft dann auch Schreien nichts mehr. Zum Glück können wir Zeitungsleute – in unserer Branche wimmelt es gerade nur so von Eschatologen – Ihnen wenigstens sagen, was bis dahin noch alles geschehen wird.

Hier ein Auszug aus der Offenbarung des schreibenden Mannes: Bundeskanzler Steinbrück wird uns bis zum Ende der Zeit jeden Tag einen Vortrag darüber halten, dass er in Wahrheit nicht der Enkel von Helmut Schmidt ist, sondern dessen Großvater. Boris Becker tritt sein Amt als Patriotismus- und Grammatikberater Angela Merkels an, die nach ihrer Wahlniederlage mit dem Chemienobelpreis abgefunden wurde. Claudia Roth wird noch achtzehnmal von den Grünen wiedergeliebt, bevor sie ihre Zweitkarriere als Vorsitzende der Grellen PantherInnen (EhrengreisIn: Alice Schwarzer) beginnt. Und Silvio Berlusconi geht, des volleren Haares halber umoperiert in Horst Seehofer, nach Brüssel, um dort Kommissar für Korruption zu werden. (Beachten Sie bitte, dass es sich bei diesen Ereignissen noch nicht um die Apokalypse handelt, sondern nur um die ganz normale Hölle auf Erden.)

Wir wissen ebenfalls schon, was Sie jetzt denken werden: dass es angesichts dieser Zukunft vielleicht nicht sooo schlecht gewesen wäre, wenn der Maya-Kalender doch recht gehabt hätte. Dann könnten wir jetzt noch einmal als Einzeller ganz von vorne anfangen, diesmal natürlich ohne die Griechen. Obwohl uns, das müssen wir gestehen, der Verzicht auf Platon, Papa Portokalos und die Piräus-Platte schon ziemlich schwer fiele.

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Quelle: F.A.Z.

 
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