Die Piraten wollen ganz anders als alle anderen Politiker sein. Wie aussichtslos dieses Bestreben ist, lehrt uns das Schicksal der Grünen. Was zum Beispiel unterscheidet Claudia Roth noch von Angela Merkel, abgesehen von totalen Nebensächlichkeiten, die bei Männern nie thematisiert werden würden, wie der wöchentlich wechselnden Haarfarbe der Grünen-Chefin? Also aufgepasst, ihr Freibeuter: Die Ebene ist schief noch, auf der man(n) in’s Establishment rutscht. Selbst die weise Entscheidung, sich nicht zu jedem Kleinkram wie Energiewende und Eurokrise zu äußern, schützt nicht sicher davor, mit den Floskeln der Etablierten infiziert zu werden. Wes’ Sprach’ ich aber sprech’, des’ Lied ich auch sing’.
So sagte doch glatt der Piratenkapitän, es gehe seiner Partei darum, das Urheberrecht „zukunftsfähig“ zu machen. Mit dieser Forderung könnte er sofort CDU, CSU, SPD, FDP, der Linken und der Partei der Fliegenden Yogis beitreten. Das ist schon eine herbe Enttäuschung. Alle, sogar noch Erzbischöfe, wollen dauernd alles zukunftsfähig machen. Früher musste nichts und niemand fähig zur Zukunft sein; sie ist von alleine passiert. Doch seit Robert Jungk die Zukunft einfach so beginnen ließ (1952!), ist sie auch nicht mehr das, was sie einmal war.
Könnten, damit nicht alles im Einheitsbrei versinkt, nicht wenigstens die Piraten dafür kämpfen, dass irgendetwas zukunftsunfähig ist und bleibt? In einem Land mit der Geschichte Deutschlands muss man doch zuerst einmal vergangenheitsfähig sein. Wie es dem deutschen Staat ging, der, auferstanden aus Ruinen, allein der Zukunft zugewandt war, wissen wir ja.
Und wie steht es eigentlich um unsere Gegenwartsfähigkeit, das Leben im Hier und Jetzt? Schweinsteiger sah die ausgestreckte Hand des Bundespräsidenten nicht, weil ihn offenbar die Frage übermannt hatte, wie zukunftsfähig ein Fußballspieler noch sein kann, dem abermals die Körperteile abhanden kamen, die er schon beim vorletzten Elfmeterschießen verloren, aber wiedergefunden haben wollte, was wohl nur vorübergehend der Fall war. Wo bitte soll nach einem solchen Verlust die nächste Generation von Mittelfeldstrategen herkommen?
Man kann nicht immer alles dem armen Beckenbauer aufbürden, obwohl der seine Zukunftsfähigkeit mehrfach unter Beweis gestellt hat. Doch Schluss jetzt mit diesen Altherrenwitzen, die Zukunft des deutschen Fußballs steht auf dem Spiel! Also los, ihr Piraten: Wenn ihr schon so daherredet wie die anderen, dann helft jetzt wenigstens dem Schweinsteiger beim Suchen.
Herr Kohler hat was vergessen
Angela Ansbacher (freeangela)
- 26.05.2012, 21:52 Uhr
Falscher Adressat
Otto Meier (DerQuerulant)
- 26.05.2012, 12:01 Uhr
Bevor die neuen High Potentials der deutschen Politik, die Piraten,
Michael Leh (Michael007)
- 25.05.2012, 20:41 Uhr
gut Ding will Weile haben
Closed via SSO (hansprag)
- 25.05.2012, 18:02 Uhr