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Fraktur : Was für ein Abgang!

Achtung, Verwechslungsgefahr! Die Zeichnung zeigt nicht (von links) Frauke Petry, Bernd Lucke, den Hund von Lucky Luke und Alexander Gauland. Bild: Wilhelm Busch

Warum es schade ist, dass die AfD nicht beim Eurovision Song Contest antreten kann.

          Irgendwie kommt es uns so vor, als suche die Welt derzeit vor allem nach dem Notausgang. Überall wird über das Gehen nachgedacht, selten nur über das Bleiben. Im Falle der Griechen nennt man die neue Lust an der Flucht Grexit, bei den Briten Brexit und bei Bernd Lucke Luxit. In seinem Fall haben wir besonders großes Verständnis dafür, dass er an einer Exit-Strategie arbeitet. Wer will schon länger in einem Irrenhaus bleiben als unbedingt nötig? Doch „tröpfchenweise und unbemerkt“, wie Lucke und seine Mitstreiter schreiben, wollen sie die AfD nicht verlassen. Das klingt auch wirklich zu sehr nach Inkontinenz. Lucke bereitet daher wie seinerzeit Moses einen Massenexodus vor, natürlich nur für den Fall, dass die, die aus seiner Sicht gehen sollten, partout nicht gehen wollen.

          Die armen Tröpfe von der AfD! Einst waren sie die große Hoffnung von unzähligen Diplom-Ingenieuren, jetzt aber sind sie nur noch eine Inspiration für Komiker und Büttenredenschreiber. Wären wir die Zeugen Jehovas, dann würden wir uns dagegen verwahren, von den Wahren AfDlern mit den „Weckruf-2015“-AfDlern (das sind die Weicheier) verglichen zu werden. Es mag ja stimmen, dass auch Lucke die Dreifaltigkeit in der Führung ablehnt. Aber so bis aufs Blut zerstritten, dass nur noch eine Transfusion hilft, waren die Zeugen Jehovas nie.

          Anders als in ihrem Fall sind auch die eschatologischen Vorstellungen der beiden Teile der AfD immer noch weitgehend unklar. Offensichtlich glauben diese aber in seltener Einmütigkeit, dass die Stunde der endzeitlichen Entscheidungsschlacht gekommen ist. (Kabbalisten und Rosenkreuzer aufgepasst: Könnte AfD nicht auch stehen für „Armageddon für Deutschland“?) Endlich wird die Republik wieder einmal einen Parteitag erleben, auf dem alles erlaubt ist, was Übelkeit und Abscheu erregt.

          Frauke Petry könnte zum Beispiel für Lucke die Schlagerschnulze anstimmen, mit der schon ihr Namensvetter Wolfgang alle echten Rock’n Roller aus dem Land trieb: „Ganz oder gar nicht, gehn oder bleiben, ganz oder gar nicht, du musst dich entscheiden!“ Beim Eurovision Song Contest kann sie damit ja leider schlecht antreten. Was wirklich schade ist, denn dann würden wir dort endlich wieder einmal abräumen. Aber natürlich nur, wenn die ganze bunte AfD-Führungstruppe aufträte, quasi als Dschingis Khan Revival Band.

          Der Text könnte weitgehend bleiben, wie er ist: „Sie ritten um die Wette mit dem Steppenwind, ha, hu, ha, und einer ritt voran, dem folgten alle blind, ha, hu, ha, die Hufe ihrer Pferde durchpeitschten den Sand, sie trugen Angst und Schrecken in jedes Land, ha, hu, ha!“ Dann bräche vielleicht noch auf der Bühne eine Schlägerei zwischen den Lucke-Anhängern und den Lucke-Hassern aus und der erste Preis wäre uns sicher. Denn das gab es selbst bei dieser Freak-Show noch nicht. Was wäre das für ein Abgang! Und die AfD hätte doch noch etwas erreicht. So aber ist sie jetzt wohl nur noch ein Fall für „Exit“ in der Schweiz.

          Quelle: F.A.Z.

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