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Fraktur : Sag niemals nie

Nie sollst du mich befragen: Immerhin er weiß, dass er nichts weiß. Bild: Wilhelm Busch

Aber ein Reservat für dieses Dreibuchstabenwort muss bleiben, auch wenn es die Polen nervt.

          Sag niemals nie, meinte selbst Sean Connery, bevor er endgültig die Walther PPK und das Toupet an den Nagel hängte und diese immer gleichen Techtelmechtel, bei denen ohnehin alles nur gespielt war, jüngeren Leinwandhelden überließ. Denn man weiß ja nie, wer oder was noch kommt; das Beste angeblich oft erst zum Schluss. Und diese Aussicht soll man sich von einem Dreibuchstabenschwur verbauen lassen, der unter ganz anderen Geschäftsbedingungen geleistet wurde? Niemals! Das Wort „nie“ gehört aus unserem Wortschatz gestrichen. Schon weil Hitler es fast so oft benutzt haben soll wie „Autobahn“.

          Trotz, nein: gerade wegen dieser Kontamination muss aber ein Reservat für das „nie“ erhalten bleiben. Denn ein urdeutscher Satz (na gut, erst seit 1945) darf nie ohne das „nie“ ausgesprochen werden, schon gar nicht in diesem Moment großer Gefahr: Nie wieder Krieg! Da sind wir uns doch hoffentlich einig, ob außenpolitisch versiert oder nicht. Auch wenn so ein Bellizist wie der ehemalige polnische Botschafter Reiter sagt, dieser deutsche Schwur gehe ihm „auf die Nerven“. Der Mann hat vielleicht welche! Weiß der nicht, wer Polen überfiel?

          Die sechzig aufrechten Deutschen, die nicht wollen, dass wieder Krieg in Europa geführt wird, jedenfalls nicht in ihrem Namen, haben schon recht: Man darf nicht ganze Völker dämonisieren und zu Nervensägen erklären, ohne deren Geschichte ausreichend zu würdigen. Zu der gehört in unserem Fall das legendäre Diktum, dass es immer gut für Europa war, wenn Deutschland und Russland gute Beziehungen hatten (also etwa damals, als Ribbentrop und Molotow im Auftrag ihrer Herren Europa zu seinem Besten neu ordneten). Wenn doch die immer neue Unruhe stiftenden Zwergvölker dazwischen endlich einsähen, wie gut und richtig es wäre, sich dem weisen Ratschluss dieser beiden großen und friedliebenden Kulturnationen zu unterwerfen! Der mittlerweile wieder gern zitierte Satz stammt übrigens vom großen Russlandfreund Strauß, der seinerzeit höchstpersönlich durch Nacht und Wind nach Moskau flog. Er kannte den Weg ja schon seit 1941.

          Wir wissen natürlich nicht, wie der Münchner im Himmel jetzt von seiner höheren Warte aus das alles findet. Doch auf Erden hätte er sich sicher vor Vergnügen auf die Schenkel geschlagen, hätte er noch erleben dürfen, wer sich alles seiner Lehre angeschlossen hat, ohne den blassesten Schimmer davon zu haben, zum Straußianer geworden zu sein. Ahnungslosigkeit aber ist eine wunderbare Voraussetzung, um Appelle aller Art unterstützen zu können. Die Frage von verzweifelten Historikern, wie man solchen Unsinn unterschreiben könne, müssen wir unter Verweis auf die edlen Motive der Unterzeichner und deren Lebensleistungen in Film, Funk und Politik entschieden zurückweisen. Schon in einer anderen romantischen deutschen Oper heißt es ja: Nie sollst du mich befragen, noch Wissens Sorge tragen, woher ich kam der Fahrt, noch wie mein Nam’ und Art! Wagner-Fans wissen freilich, dass selbst Aufrufe dieser Art wirkungslos verhallen können. Und wie das dann ausgeht. Auch Lohengrin hätte einfach nie nie sagen sollen.

          Quelle: F.A.Z.

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