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Veröffentlicht: 08.04.2016, 12:45 Uhr

Fraktur Jenseits von Panama

Die Schlagzeile, die man bisher vergebens suchte: Den deutschen Politikern genügt die Macht!

von
© Wilhelm Busch Was für ein Affentheater: Raffzahn am Strand, seinen Panama-Hut schwenkend, vor einer Briefkastenpalme.

Oh, wie schön ist Panama! Das dachten sich nicht nur der kleine Tiger und der kleine Bär. Das empfand auch schon George Bush so, weswegen er den Kanalstaat ruck, zuck besetzte. Wären die Amis bloß damals dortgeblieben! Denn kaum hatte sich die Supermacht aus dem Norden wieder in ihr fünfeckiges Schneckenhaus zurückgezogen, entwickelte sich Panama zum Eldorado aller, die gerne vor sich hin summen: Wir ham den Kanal, wir ham den Kanal, wir ham den Kanal noch lange nicht voll!

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Die panamaische Hymne scheint vor allem bei den vielen Menschen auf der ganzen Welt beliebt zu sein, die gerne Verstecken spielen. Weil es zum Glück aber auch Leute gibt, die am liebsten immer nur nach Verstecktem suchen, steckt die Welt nun in einer neuen Panama-Krise, die die Lehman Brothers wie Laienbrüder aussehen lassen könnte. Schon wieder erwischte es, wie damals, als Erstes Island. Wenn aber sogar eine geothermische Großmacht im hohen Norden in ihren Grundfesten erschüttert wird, wer soll dann vor den Ausläufern dieses Megaskandals noch sicher sein, nach dessen Ausbruch die Geschichte der Menschheit in weiten Teilen neu geschrieben werden muss?

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Genau: unsere Kanzlerin. Die nennt, soweit bisher bekannt, nämlich keine Offshore-Briefkastenfirma am Strand von Panama ihr Eigen, sondern nur eine Datsche im märkischen Sand. Nicht einmal eine Loge in Bayreuth gehört ihr; ein harter Sitzplatz mitten im Wagnervolk muss genügen. Selbst die Roben für den jährlichen Ausflug auf den Grünen Hügel lässt sie sich nicht in einer Steueroase anmessen, von den Uniformjacken ganz zu schweigen – obwohl man sich mit dem Schneider von Panama ja ganz ausgezeichnet über alles unterhalten können soll, wie es etwa dieser Dialog belegt: „Wo ist Ihr Patriotismus?“ „Hab ich mir ohne Betäubung im Knast entfernen lassen.“

Mit dem Materialismus geht das offenkundig nicht so leicht. Deshalb müssen wenigstens wir ausdrücklich festhalten, dass die geschätzten Kollegen von den „Panama Papers“ ganz nebenbei auch etwas Positives ans Licht brachten, auch wenn das selbst den investigativsten Journalisten nicht sofort aufgefallen ist, entsprechende Schlagzeilen sucht man jedenfalls vergebens: Verglichen mit den Raffzähnen in vielen anderen Ländern, sogar europäischen, sind unsere deutschen Politiker sehr bescheiden und ehrlich, mindestens bei der Steuer. Sie verschieben keine Millionen in Steueroasen, sondern allenfalls Modelleisenbahnzüge in ihren Hobbykellern.

Profitgier ist ihnen in aller Regel fremd; ihnen reicht schon die Macht und ab und zu ein Tütchen Hitler-Koks. Also jedenfalls den aktiven Politikern. Ehemalige lassen es da schon eher krachen – so sie die Möglichkeiten dazu haben. Schließlich kann nicht jeder Putin seinen Freund nennen, obwohl sich so viele so redlich darum bemühten. Denen tut es jetzt besonders leid, dass der Retter des Abendlandes und der morgenländischen Ruinenlandschaft von der CIA und deren willigen Helfern in den Panama-Sumpf hineingezogen werden soll.

Das ist natürlich üble Petersburger Propaganda. Stutzig macht uns allerdings, dass unter den üblichen Verdächtigen in den panamaischen Briefkästen derjenige fehlt, der sich mindestens ebenso um die Bewahrung der Pressefreiheit verdient gemacht hat wie Putin, also dessen spezieller Freund Erdowahn. Wer in einem sicheren Driftstaat wie der Türkei einen solchen kolossalen Schwarzbau hinstellen kann, wird doch wohl in einer Bananenrepublik ein paar Messingschilder an eine Tür schrauben lassen können!

Und was ist eigentlich mit Donald Trump? Es wundert uns doch sehr, dass er noch keinen Atomschlag gegen Panama gefordert hat. Er muss wohl triftige Gründe für diese ungewöhnliche Zurückhaltung haben. Vielleicht aber verwechselt er, es ist ja alles so verwirrend, auch nur Panama mit Polen. Über dessen künftiges Schicksal würde Trump sich nach Auflösung der Nato mit dem von ihm geschätzten russischen Präsidenten bestimmt rasch einigen können. Kam aus diesem Polen nicht dieser Papst mit diesem komischen weißen Hut auf dem Kopf? Damned, wie hieß das Ding noch gleich? Oh, I’ve got it: It’s the Panama, stupid!

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