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Veröffentlicht: 10.02.2017, 14:45 Uhr

Fraktur Eine Wahnsinns-Show!

Kein Wunder, dass die Hollywood-Stars sauer sind: Donald Trump spielt sie alle an die Wand.

von
© Wilhelm Busch Einer flog übers Kuckucksnest? Falscher Film! Natürlich „Das Schweigen der Belämmerten“.

Also das undifferenzierte Trump-Bashing geht uns jetzt doch etwas zu weit. Eines muss man dem sogenannten Präsidenten nämlich neidlos lassen: Es ist wirklich eine Wahnsinnsshow, die er uns da Tag für Tag und Tweet für Tweet frei Haus liefert. Sie enthält alles, was sich das staunende Publikum nur wünschen kann: Comedy, Parodie, Persiflage, Realsatire, Karikatur, Doku-Soap, Drama, Sex and Crime, Verschwörungstheorie, Action, Horror und auch noch eine Dauerwerbesendung für alle Produkte aus dem weitläufigen Hause Trump. Kein Wunder, dass die sogenannten Hollywood-Stars sauer auf Trump sind, er spielt sie doch alle an die Wand. Das müsste wohl sogar Ronald Reagan zugeben, der letzte große Schauspieler vor Trump im Oval Office. Selbst ihm aber warfen die Russen vor, er sei nur ein „B-movie actor“ gewesen, was schon damals fake news waren, die ein gewisser Georgi Arbatow verbreitet hatte. Der war so eine Art sowjetischer Stephen Bannon. Weil Reagan noch nicht twittern konnte, musste er Gorbatschow persönlich bitten: „Tell Arbatow, they weren’t all B-movies.“ Danach zeigte Reagan den Russen mit einer Reality-TV-Fassung von „Star Wars“, was für ein begnadeter Regisseur er war. Das Remake trug den Titel „SDI“ (technische Beratung: Edward Teller) und soll zu Gorbatschows Lieblingsgruselschocker im Kreml-Kino geworden sein.

Berthold  Kohler Folgen:

Im Falle Trumps würden die Russen es aber erst gar nicht wagen, ihn als zweitklassig hinzustellen. Denn Trump und sein Team von Superhelden, das zeigt sich jeden Tag deutlicher, hätten nicht nur in „The Apprentice“, sondern in so gut wie jedem Blockbuster der letzten Jahrzehnte die tragenden Rollen spielen können. Das glauben Sie nicht? Dann zählen wir mal ein paar auf, manche mit leicht aktualisiertem Titel:

A Nightmare on Pennsylvania Avenue; Apocalypse Now; Armageddon; Caligula; Conway Air; Der Pate; Die zwölf sogenannten Geschworenen; D.T. – Der Außerirdische; Das Schweigen der Belämmerten; Dawn of the Donald; Dirty Donald; Donald allein im Oval Office; Dr. Trump – Or: How I Stopped Worrying and Learned to Use the Bomb; Eine verhängnisvolle Wahl; Einer flog übers Kuckucksnest; Game of Thrones (allerdings nur die Charaktere, die auf Arya Starks Liste stehen); Gangs of New York; Halloween; No Country for Old Men; Operation Walküre; Rasputin (Titelrolle Stephen Bannon); Spitting Image; Star Wars (Trump in einer Doppelrolle als Imperator und Darth Donald); The Big Trumpowski; The Dirty Dozen; The Mexico Chain Saw Massacre; The Terminator; The Trumpanos; The Wizard of Washington („pay no attention to that man behind the curtain“); Unheimliche Begegnung der dritten Art; Wall Street (und die Fortsetzung: Wall Street im Weißen Haus); War Games; The Wolf of Washington; World War T; und, natürlich: House of Cards.

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Wirklich schätzen kann man das Multitalent, das in Trump steckt, aber wohl erst, wenn man sich vorstellt, in welchen Filmen unser deutsches politisches Spitzenpersonal hätte mitspielen können. Uns fiele, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, ein: Der Komödienstadl; Ich bin ein SPD-Kandidat, holt mich hier raus; Aktenzeichen CS... ungelöst; Schulz sucht Frau; Mutti und die sieben Zwerge; Das Kanzleramt im Spessart; Die Geierwally; Eine wird gewinnen; und, natürlich: Wetten, dass ... Merkel wieder Kanzlerin wird?

Das reißt Sie alles nicht vom Hocker? Da haben Sie recht. Vor diesem Hintergrund verdient Trump noch einmal Dank: Erst seit er Präsident ist, können wir die ganze Tiefe des Gefühls erleben, im falschen Film zu sein.

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