Was haben Bundeskanzler, Oppositionsführer, Ministerpräsidentinnen, Bürgermeisterkandidaten, CDU, SPD, FDP, Grüne, Graue, ja überhaupt alle braven Politiker und Parteien Deutschlands gemein? Sie wollen „nahe beim Menschen“ sein, jedenfalls noch in der euphorischen Aufwallung, die sich regelmäßig vor Wahlen zeigt. Angesichts der daraus resultierenden drangvollen Enge um den Menschen herum musste die CSU natürlich wieder ihre Sonderstellung beweisen mit dem Slogan, sie sei noch viel „näher am Menschen“. So richtig auf die Pelle rücken kann man dem Menschen eben nur bei einem Paar Weißwürsten.
Doch auch im deutschen Norden scheinen alle, die in der Politik etwas werden oder bleiben wollen, zu glauben, der Mensch hätte es gerne, dass der Politiker oder die Politikerin ihm nahe ist. So nahe wie der Kieferorthopäde bei der Wurzelspitzenresektion? Oder wenigstens wie die Bazillenschleuder in der U-Bahn, die unsere Zeitung für ihr Tempo-Taschentuch hält?
Das sind doch - hier ist man einmal froh darüber - alles nur leere Versprechungen. Kennen Sie einen Politiker, der mit Ihnen in einer Wohngemeinschaft leben möchte? Oder gar einen, mit dem Sie sich das vorstellen könnten? Wir sehen sie schon vor uns, die endlosen Diskussionen mit Sigmar Gabriel, wer schon wieder das Nutella-Glas leergeschlabbert hat. Und die nächtlichen Gerechtigkeitsdebatten mit Norbert Blüm über das Müll-Raustragen.
Nein, räumlich-körperlich kann das mit der Nähe nicht gemeint sein, denn das würde den Straftatbestand des Stalking erfüllen. Unsere Politiker denken wohl eher an das geistige Kuscheln mit dem Menschen. So wie Rösler es kürzlich mit Frau Merkel vormachte oder Ronald Pofalla mit seinem Parteifreund Bosbach. Vielleicht liegt des Rätsels Lösung aber auch in einer anderen Sentenz, die zuletzt ebenfalls auffallend häufig zu hören war: Politiker seien doch auch nur Menschen. Das muss es sein! Wer als Politiker nahe beim Menschen ist, ist schließlich schon fast ganz bei sich.
Nah bei den Menschen?
Wilhelm Friedrich (WillyF)
- 18.03.2012, 07:48 Uhr
"Wer als Politiker nahe beim Menschen ist, ist schließlich
schon fast ganz bei sich"
Helga Zießler (Steuernagel34)
- 18.03.2012, 00:13 Uhr
Das kann nichts werden
Lutz von Peter (LutzBrux)
- 17.03.2012, 17:32 Uhr
Bsp. Pofalla sagt alles
Gerhard Storm (gerhardstorm)
- 17.03.2012, 14:43 Uhr
Diese Glosse ist Spitze!
Klaus Michael Strauss (kmstFAZ)
- 17.03.2012, 12:21 Uhr