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Fraktur - Die Sprachglosse Verkopfter Quatsch

Dann doch lieber Kaiserschmarrn: Wir wünschen Ihnen ein gutes Jahr 2013 mit möglichst wenig vom Intellekt beherrschten Blödsinn!

© Zeichnung Wilhelm Busch Vergrößern O Gott!

Mangels origineller Äußerungen unserer Politiker zum Jahresanfang - in solchen Momenten schmerzt die Lücke, die Stoiber hinterließ, besonders - müssen wir noch einmal auf ein Bonmot aus der Jahresendzeit 2012 zurückkommen, das freilich so ein richtiger Bayernböller war, dass jetzt noch die Berge davon wackeln. Da war so a hessische Saupreißin auf eine zugegebenermaßen besonders hinterfotzige Fangfrage (natürlich aus Norddeutschland) hereingefallen und hatte behauptet, frau könne auch „das liebe Gott“ sagen, wenn sie mit ihren Kindern bete und singe. Als ob man „Das Gott mir dir, du Land der Bayern“ singen könnte!

Das hätte ja nicht einmal die Biermösl Blosn fertiggebracht. Folgerichtig ging vor allem von Süden her ein Donnerwetter mit Ausläufern bis nach Rom auf die junge Mutter nieder, dass ihr das Politischkorrektsein für den Rest des Jahres verging. Den zornigsten Blitz schleuderte dabei aber nicht der Papst, sondern eine Cousine aus der Schwesterpartei, die, für sie ganz untypisch, mit nur zwei Worten alles Nötige sagte: Verkopfter Quatsch!

Natürlich hatte die Haderthauer Christine dabei ursprünglich nicht „Verkopfter Quatsch!“ sagen wollen. In Bayern nennt man einen solchen Blödsinn einen „verkopften Schmarrn“. Aber das hätte die Schröder Kristina, verkopft wie sie ist, ja nicht verstanden, darum hat ihr die Haderthauer den Schmarrn gleich übersetzt. Besonders erhabener Schmarrn, wie etwa der, den der Beckenbauer gelegentlich von sich gibt, heißt im Süden übrigens Kaiserschmarrn. Verkopft dagegen bedeutet nach Duden „(zu) sehr vom Intellekt beherrscht“. Das ist das Letzte, was die CSU sich vorwerfen lassen will. Denn verkopfte Großkopferte gibt es schon in der CDU genug, und mit denen ist es wirklich ein Kreuz. Immer sehen und also schaffen sie Probleme, wo der normale Mensch gar keine hat.

Eine Auseinandersetzung um das Geschlecht des Allmächtigen - Himmelherrgottsakrament, als ob uns keine anderen Sorgen plagten! Uns reicht schon der Geschlechterkampf auf Erden, und das nicht nur zur Weihnachtszeit, wo in manchen Ehen ja besonders schlagkräftig über die Fragen des (Zusammen-) Lebens diskutiert wird, siehe nur das sich trotz allem immer noch liebende Traumpaar van der Vaart. Viel brennender müsste uns doch interessieren, wie Gott zum Gender Mainstreaming steht; dazu findet man in der Bibel nämlich kein Wort, nicht einmal in der Apokalypse. Doch ahnen wir es schon: Auch darauf werden unsere Politiker wieder keine Antwort haben, obwohl wir unsere höchsten Ämter doch extra mit Geistlichen oder wenigstens Pfarrerstöchtern besetzt haben. Im Zweifel ist uns eine beseelte Staatsspitze aber natürlich immer noch lieber als eine verkopfte. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein gutes Jahr 2013 ohne allzu viel zu sehr vom Intellekt beherrschten Blödsinn.

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Quelle: F.A.Z.

 
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