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Fraktur - Die Sprachglosse Straßenfußballer

 ·  Deutschland, man kann es kaum anders sagen, hat gegen Italien verloren. Fehlt uns ein Bundeslaufwegeplan?

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© Intertopics Bundeslaufwegeplan

Nicht einmal das jüngste flammende Bekenntnis von Holger Bellino, dem Parlamentarischen Geschäftsführer der hessischen CDU-Fraktion, zu Nationalgefühl und deutscher Nationalmannschaft hat etwas geholfen: Die Italiener haben, man kann es kaum anders sagen, gewonnen. Aber warum? Sollten die Erfinder von Carpaccio und Catenaccio, die auf den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkriegs noch wie eine E-Jugend-Mannschaft umhergeirrt waren, am Ende besser organisiert gewesen sein als wir?

Das Gegenteil ist der Fall, zumindest wenn man dem ARD-Fachmann Mehmet Scholl glaubt, der sich nach seiner Kritik an Mario Gomez („Angst, dass er sich wundliegt“) immer öfter der Sprache von Altenpflegern bedient. Laut Scholl waren die „Pflegefälle“ Antonio Cassano und Mario Balotelli das Geheimnis des italienischen Siegs. Diese beiden „Straßenfußballer“ seien „völlig wild durcheinander“ gelaufen, sie hätten „unorthodox“ gespielt und „alles wie auf der Straße“ gemacht. „Die wissen selber nicht, was sie tun, aber das machen sie grandios.“

Weg von der Straße, hin zu den Laufwegen

Auch Scholl, der sich gewundert haben dürfte, warum Balotelli nicht barfuß und mit einem Knäuel aus alten Socken spielte, scheint langsam nicht mehr zu wissen, was er tut. Grandios macht das der Rousseau für Arme deswegen noch lange nicht. Wird uns von Experten wie ihm denn nicht seit Jahren weisgemacht, dass es zum Erfolgsrezept der neuen deutschen Fußballschule gehört, Leute wie Lukas Podolski oder Marco Reus nicht nur von der Straße oder aus der Gosse zu holen, sondern auch die Straße oder Gosse aus diesen Leuten zu holen? Und geht nicht generell der Trend weg von der Straße, hin zu den Laufwegen?

Damit wären wir wieder bei Holger Bellino, Sie wissen schon, dem Parlamentarischen Geschäftsführer der hessischen CDU-Fraktion: Müsste er nun um der Street Credibility willen nicht Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer auffordern, Konsequenzen aus der „Schmach von Warschau“ zu ziehen und neben einem Bundesverkehrswegeplan endlich auch einen Bundeslaufwegeplan aufzulegen? In freudiger Erwartung eines neuen CDU-Coups: tifr.

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Jahrgang 1979, Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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