Home
http://www.faz.net/-gpf-742pa
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Fraktur - Die Sprachglosse Stock und Stein

Wer wie Steinbrück unter einer Glaskuppel sitzt, sollte auch nicht mit dem Bumerang werfen.

© Zeichnung Wilhelm Busch Vergrößern Der Kandidat, der Mühlstein und die kühne Kanzlerin

Der Stein ist aus der politischen Auseinandersetzung in Deutschland nicht mehr wegzudenken, obwohl er nicht mehr ganz so häufig geworfen wird wie zu Joseph Fischers besten Zeiten. Wer unter der Glaskuppel sitzt, soll ja auch nicht mit Mineralien um sich schmeißen, sondern höchstens mit Milliarden. Und wer von den im Reichstag Versammelten ist schon ohne Schuld (oder wenigstens ein kleines, gänzlich unbeabsichtigtes Plagiat), dass er reinen Gewissens den ersten Brocken werfen könnte?

Berthold  Kohler Folgen:  

Dennoch scheint die Versuchung immer noch groß zu sein, die Spur der Steine zu verlängern, wie der Fall Steinbrück zeigt. Seine politischen Gegner hätten ihm „einen Stein an den Kopf“ werfen wollen, klagt der steinreiche Vortragsreisende - an Millionären glaubt hierzulande ja jeder sein Mütchen kühlen zu dürfen. Einem Betonschädel, wie Steinbrück ihn hat, hätte das zwar nichts anhaben können. Doch kann sich die Partei der Stones einen solchen Übergriff natürlich nicht gefallen lassen: Für das Steinigen ihres Kanzlerkandidaten ist immer noch die SPD-Linke zuständig.

Daran wollte auch Steinbrück nicht rütteln und daher dafür sorgen, dass der Stein postwendend ins Lager von Union und FDP zurückfliegt, und zwar - jetzt kommt das zweitliebste Wurfgeschoss der deutschen Politik ins Spiel - als Bumerang. Da hoffen wir mal, dass der Stock gewordene Stein nicht zum Kandidaten zurückkehrt; uns fiele ein Mühlstein vom Herzen. Schließlich schwirrt ihm schon die Geschichte mit Bochum um den Kopf wie ein wildgewordenes Wurfholz. Sie wissen schon, dieser Vortrag vor den Stadtwerken, den Steinbrück zum Sonderpreis für bankrotte Kommunen gehalten hat.

Beim Streitthema Transparenz liegt der Ball (Lieblingsspielgerät Nummer drei) jetzt aber erst einmal im Feld der anderen. Und Steinbrück, der nach eigenem Bekunden bereits mit der Politik abgeschlossen hatte, kann sich wieder ganz seiner Nebenbeschäftigung widmen, die SPD an den Rand des Nervenzusammenbruchs zu bringen. Diesen Spaß lässt er sich einiges kosten, wenn man einmal zusammenrechnet, was ihm nun an Honoraren entgeht. Da sieht man wieder, dass Geld alleine nicht glücklich macht.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Horváth-Entdeckung 95 Seiten, die noch niemand las

Ödön von Horváth, einer der meistgespielten Dramatiker des zwanzigsten Jahrhunderts, hat 1924 ein Stück geschrieben, das nie publiziert und nie aufgeführt wurde. Jetzt wurde das Typoskript der unbekannten Tragödie versteigert. Mehr Von Hubert Spiegel

24.03.2015, 16:45 Uhr | Feuilleton
Fifa-Präsidentschaft Figo bewirbt sich als Kandidat

Der ehemalige portugiesische Nationalspieler Luis Figo hat im Wembley Stadion seine Bewerbung für das Amt von Joseph Blatter präsentiert. Mehr

20.02.2015, 16:41 Uhr | Sport
Joschka Fischer Haare raufen über Europa

Als entscheidenden Schritt auf dem Weg zum Bundesstaat empfiehlt Joschka Fischer die Fortentwicklung der Gruppe der Staats- und Regierungschefs zu einer Regierung der Eurozone, verbunden mit einer Eurokammer, die aus Vertretern der nationalen Parlamente proportional zusammengesetzt sein würde. Mehr Von Wilfried Loth

30.03.2015, 10:04 Uhr | Politik
Kolumbien Rettung nach zwei Tagen allein im Pazifik

Ein winziger Punkt im Pazifik, es ist der Fischer Solano Salazar, der nach dem Untergang seines Bootes zwei Tage lang allein im Meer trieb. Ein Zufall kam dem Fischer zu Hilfe - die kolumbianische Küstenwache hielt in der Gegend eine Übung ab und entdeckte den Schiffbrüchigen. Mehr

06.11.2014, 11:58 Uhr | Gesellschaft
Fifa-Präsidentenwahl Blatter lehnt TV-Auseinandersetzung ab

Zwei britische Sender planten eine Sendung mit allen Bewerbern fürs Fifa-Präsidentenamt . Die drei Herausforderer hatten schon zugesagt. Doch Amtsinhaber Joseph Blatter will sich nicht auf die Auseinandersetzung im Feindesland einlassen. Mehr

19.03.2015, 09:12 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 02.11.2012, 12:48 Uhr