http://www.faz.net/-gpf-742pa
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 02.11.2012, 12:48 Uhr

Fraktur - Die Sprachglosse Stock und Stein

Wer wie Steinbrück unter einer Glaskuppel sitzt, sollte auch nicht mit dem Bumerang werfen.

von
© Zeichnung Wilhelm Busch Der Kandidat, der Mühlstein und die kühne Kanzlerin

Der Stein ist aus der politischen Auseinandersetzung in Deutschland nicht mehr wegzudenken, obwohl er nicht mehr ganz so häufig geworfen wird wie zu Joseph Fischers besten Zeiten. Wer unter der Glaskuppel sitzt, soll ja auch nicht mit Mineralien um sich schmeißen, sondern höchstens mit Milliarden. Und wer von den im Reichstag Versammelten ist schon ohne Schuld (oder wenigstens ein kleines, gänzlich unbeabsichtigtes Plagiat), dass er reinen Gewissens den ersten Brocken werfen könnte?

Berthold  Kohler Folgen:

Dennoch scheint die Versuchung immer noch groß zu sein, die Spur der Steine zu verlängern, wie der Fall Steinbrück zeigt. Seine politischen Gegner hätten ihm „einen Stein an den Kopf“ werfen wollen, klagt der steinreiche Vortragsreisende - an Millionären glaubt hierzulande ja jeder sein Mütchen kühlen zu dürfen. Einem Betonschädel, wie Steinbrück ihn hat, hätte das zwar nichts anhaben können. Doch kann sich die Partei der Stones einen solchen Übergriff natürlich nicht gefallen lassen: Für das Steinigen ihres Kanzlerkandidaten ist immer noch die SPD-Linke zuständig.

Daran wollte auch Steinbrück nicht rütteln und daher dafür sorgen, dass der Stein postwendend ins Lager von Union und FDP zurückfliegt, und zwar - jetzt kommt das zweitliebste Wurfgeschoss der deutschen Politik ins Spiel - als Bumerang. Da hoffen wir mal, dass der Stock gewordene Stein nicht zum Kandidaten zurückkehrt; uns fiele ein Mühlstein vom Herzen. Schließlich schwirrt ihm schon die Geschichte mit Bochum um den Kopf wie ein wildgewordenes Wurfholz. Sie wissen schon, dieser Vortrag vor den Stadtwerken, den Steinbrück zum Sonderpreis für bankrotte Kommunen gehalten hat.

Beim Streitthema Transparenz liegt der Ball (Lieblingsspielgerät Nummer drei) jetzt aber erst einmal im Feld der anderen. Und Steinbrück, der nach eigenem Bekunden bereits mit der Politik abgeschlossen hatte, kann sich wieder ganz seiner Nebenbeschäftigung widmen, die SPD an den Rand des Nervenzusammenbruchs zu bringen. Diesen Spaß lässt er sich einiges kosten, wenn man einmal zusammenrechnet, was ihm nun an Honoraren entgeht. Da sieht man wieder, dass Geld alleine nicht glücklich macht.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Bundesrichter Thomas Fischer Teile von Böhmermanns Schmähkritik vermutlich strafbar

Der Vorsitzende Richter am höchsten deutschen Strafgericht hat sich zum Rechtsstreit zwischen Erdogan und Böhmermann geäußert. Die Ansicht Satire darf alles sei juristisch nicht haltbar. Mehr

23.05.2016, 09:27 Uhr | Feuilleton
Tag der Arbeit Randale in Hamburg

Nach Demonstrationen ist es in Hamburg zu Auseinandersetzungen zwischen Protestierern und der Polizei gekommen. Während ein Demonstrationszug mit etwa 2000 Teilnehmern zunächst laut aber weitgehend friedlich verlief, warfen später einige hundert Randalierer Steine und Flaschen auf Polizisten. Mehr

01.05.2016, 18:52 Uhr | Gesellschaft
Ex-Grünen-Chef Van der Bellen gewinnt die Präsidentenwahl in Österreich

Der Grünen-Politiker Alexander van der Bellen hat nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen gegen Norbert Hofer die Präsidentenwahl für sich entscheiden können. Der unterlegene FPÖ-Kandidat hat bereits reagiert. Mehr

23.05.2016, 16:48 Uhr | Politik
Trotz Rettungsversuchen 24 Grindwale an der Küste Mexikos verendet

Trotz Rettungsbemühungen von Tierschützern sind am Wochenende an der mexikanischen Küste 24 Kurzflossen-Grindwale verendet. Tierschützer, Soldaten und Fischer hätten versucht, sie vor dem Austrocknen zu schützen und zurück ins tiefe Wasser zu ziehen, teilte die Naturschutzbehörde Profepa mit. Doch dies sei nur bei zwei erwachsenen Tieren und einem Kalb gelungen. Mehr

17.05.2016, 02:00 Uhr | Gesellschaft
Entlassung von Eichin Werder setzt wieder auf die eigene Familie

Sportdirektor Eichin verliert den Machtkampf in Bremen, es übernimmt der frühere Werder-Profi Frank Baumann. Doch die Frage, was aus Trainer Skripnik wird, bleibt. Mehr Von Christian Kamp

19.05.2016, 17:31 Uhr | Sport