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Fraktur - Die Sprachglosse : Stock und Stein

Der Kandidat, der Mühlstein und die kühne Kanzlerin Bild: Zeichnung Wilhelm Busch

Wer wie Steinbrück unter einer Glaskuppel sitzt, sollte auch nicht mit dem Bumerang werfen.

          Der Stein ist aus der politischen Auseinandersetzung in Deutschland nicht mehr wegzudenken, obwohl er nicht mehr ganz so häufig geworfen wird wie zu Joseph Fischers besten Zeiten. Wer unter der Glaskuppel sitzt, soll ja auch nicht mit Mineralien um sich schmeißen, sondern höchstens mit Milliarden. Und wer von den im Reichstag Versammelten ist schon ohne Schuld (oder wenigstens ein kleines, gänzlich unbeabsichtigtes Plagiat), dass er reinen Gewissens den ersten Brocken werfen könnte?

          Dennoch scheint die Versuchung immer noch groß zu sein, die Spur der Steine zu verlängern, wie der Fall Steinbrück zeigt. Seine politischen Gegner hätten ihm „einen Stein an den Kopf“ werfen wollen, klagt der steinreiche Vortragsreisende - an Millionären glaubt hierzulande ja jeder sein Mütchen kühlen zu dürfen. Einem Betonschädel, wie Steinbrück ihn hat, hätte das zwar nichts anhaben können. Doch kann sich die Partei der Stones einen solchen Übergriff natürlich nicht gefallen lassen: Für das Steinigen ihres Kanzlerkandidaten ist immer noch die SPD-Linke zuständig.

          Daran wollte auch Steinbrück nicht rütteln und daher dafür sorgen, dass der Stein postwendend ins Lager von Union und FDP zurückfliegt, und zwar - jetzt kommt das zweitliebste Wurfgeschoss der deutschen Politik ins Spiel - als Bumerang. Da hoffen wir mal, dass der Stock gewordene Stein nicht zum Kandidaten zurückkehrt; uns fiele ein Mühlstein vom Herzen. Schließlich schwirrt ihm schon die Geschichte mit Bochum um den Kopf wie ein wildgewordenes Wurfholz. Sie wissen schon, dieser Vortrag vor den Stadtwerken, den Steinbrück zum Sonderpreis für bankrotte Kommunen gehalten hat.

          Beim Streitthema Transparenz liegt der Ball (Lieblingsspielgerät Nummer drei) jetzt aber erst einmal im Feld der anderen. Und Steinbrück, der nach eigenem Bekunden bereits mit der Politik abgeschlossen hatte, kann sich wieder ganz seiner Nebenbeschäftigung widmen, die SPD an den Rand des Nervenzusammenbruchs zu bringen. Diesen Spaß lässt er sich einiges kosten, wenn man einmal zusammenrechnet, was ihm nun an Honoraren entgeht. Da sieht man wieder, dass Geld alleine nicht glücklich macht.

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