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Fraktur - Die Sprachglosse Stehen

 ·  Brüderle stellte sich vor der Wahl in Niedersachsen hinter Rösler. In der Politik ist das eine gute Position, um jemanden in den Rücken zu fallen. Fortan aber sollen sich beide zur Seite stehen.

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„Wie stehen Sie zu ihm?“, werden Politiker oft gefragt. Dann wissen diese meistens nicht, wie sie ihre eherne Treue zu ihrem Parteifreund in Worte fassen sollen. Dabei bietet die deutsche Sprache verwirrend viele Möglichkeiten, um auf Abstand bedachten Beistand zu bekunden. Nehmen wir zum Beispiel Rainer Brüderle. Er versicherte vor der Wahl in Niedersachsen, er stehe hinter Philipp Rösler. Dass der nach der Wahl nicht zurücktreten konnte, scheint also klar: Brüderle stand ja hinter ihm. Besonders glaubhaft war das allerdings nicht, weil Rösler mit dem Rücken zur Wand stand. Zwischen Wand und Rösler passte kein Blatt Papier mehr. Auch kein Christian Lindner und schon gar kein Rainer Brüderle.

Hinterrücks in den Rücken gefallen

Aber sei’s drum. Was Brüderle auf die Frage, wie er zu Rösler stehe, sagen wollte, war: Ich stehe zu Rösler. Und: Ich gebe Rösler Rückendeckung. Das ist stimmig. Denn in der Politik kommen die Angriffe meistens nicht von vorne, sondern von hinten. Hinterrücks. Am häufigsten von dem, der Rückendeckung gibt. Der hat nämlich die beste Position, um dem dermaßen Geschützten in den Rücken zu fallen.

Hat Brüderle deshalb nicht gesagt, dass er sich vor Rösler stelle? Das hätte er schließlich auch sagen können. Zumindest sprachlich hätte es dasselbe bedeutet. Oder aber: Ich stehe an Röslers Seite. Oder: Ich stehe ihm zur Seite. Oder: Wir marschieren Seit’ an Seit’. Das Problem dabei wäre allerdings gewesen, dass Rösler selbst schon neben sich stand, an seiner Seite also gar kein Platz mehr war. Rösler hätte mithin auch gar nicht „zur Seite treten“ können, wie er es am Montagmorgen anbot, denn da war er ja sowieso schon. Oder doch Brüderle?

Jedenfalls sollen die beiden einander fortan zur Seite stehen. Brüderle als Spitzenkandidat, Rösler als FDP- Vorsitzender. Viele Parteifreunde haben abermals bekräftigt, hinter ihrem Parteichef zu stehen, sich vor ihn zu stellen oder ihm zur Seite gesprungen zu sein. Rösler bleibt also, was er auch bisher schon war: umzingelt.

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