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Fraktur - Die Sprachglosse : Stabilität

Gleichgewicht des Schreckens: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsminister Thomas de Maizière (beide CDU) mit Außenminister Guido Westerwelle (FDP) im Bundestag Bild: dapd

Stabil, labil oder debil? Hoffnungslos ernste Anmerkungen zur Lage der Diskussion.

          Es gehört zu den Auffälligkeiten nicht nur der deutschen Sprache, dass zwei Begriffe - zum Beispiel „klar“ und „deutlich“ oder „FDP“ und „glücklos“ - fast dasselbe bedeuten können, auch wenn sie keinen einzigen Buchstaben gemeinsam haben. Und dass gleichzeitig zwei andere Wörter - etwa „integrieren“ und „intrigieren“ oder „Haseloff“ und „Hasselhoff“ - das Gegenteil voneinander meinen können, obschon sie sich in einem Großteil der Buchstaben gleichen.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Letzteres gilt auch für „labil“ und „stabil“: zwei Begriffe, die eigentlich ein Gegensatzpaar bilden. Oder etwa nicht? Die Sicherheitslage bleibe „labil, aber sie ist stabil“, sagte der deutsche Verteidigungsminister jüngst mit Bezug auf Afghanistan. Aber wie kann etwas, das nicht Seehofer heißt, so sein, wie es ist, und gleichzeitig das Gegenteil davon? Meinte de Maizière, die Lage sei stabil labil, also in ihrer Labilität von gewisser Konstanz? Oder meinte er labil stabil, also in ihrer Stabilität stets bedroht, was ja dann schon wieder nicht mehr stabil wäre? Oder aber wollte der Minister auf ein Phänomen verweisen, das vor allem Ehepaaren geläufig ist: dass man etwas bleiben kann, ohne es noch zu sein?

          Klar und deutlich ist nur, dass Stabilität im politischen Kontext von Labilität genauso wenig zu unterscheiden ist wie etwa in der Medizin. Wenn dort die Rede davon ist, der Gesundheitszustand eines Patienten sei „stabil“, dann heißt das doch nur, dass mit dem Exitus nicht unmittelbar, sondern frühestens in ein paar Stunden zu rechnen ist. Wenn es um die Stabilität einer Krisenregion geht, ist das also nicht vergleichbar mit der Stabilität von Steinbrücks Selbstbewusstsein, sondern bedeutet nur, dass es da wahlweise ausländische Soldaten, deutsches Geld oder einheimische Diktatoren gibt, die im Zweifel aber alle nicht verhindern können, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings einen Sturm der Entrüstung auslöst. Da ist doch mal ein Lob für den Kalten Krieg fällig, wo etwas für Ruhe und Ordnung sorgte, das man Gleichgewicht des Schreckens nannte. Im Euroraum heißt es jetzt Geldwertstabilität.

          Quelle: F.A.Z.

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