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Fraktur - Die Sprachglosse : Sogar mit Steinbrück und Söder

Mitleid nach Art der FDP: Wieder tönt es: „Meck, meck, meck!“ Plumps! Da ist der Rösler weg! Bild: Zeichnung WIlhelm Busch

Von wegen, die Politik sei kalt und herzlos geworden: Sie trieft nur so von Mitleid.

          Wir müssen jetzt doch einmal unsere Politiker in Schutz nehmen. Von wegen, die Politik sei kalt und herzlos geworden. Gut, in der FDP geht es etwas zugig zu, das haben freie Märkte so an sich. Doch im von internationaler Solidarität und christlicher Nächstenliebe beherrschten Teil des politischen Spektrums hagelt es seit Tagen nur Mitgefühl, und zwar parteiübergreifend.

          Gabriel hat, obwohl dafür nicht zuständig und schon gar nicht qualifiziert, Mitleid mit Rösler, Schäuble mit Steinbrück und sogar Seehofer ein bisserl mit Söder, auch wenn der CSU-Vorsitzende seine wahren Gefühle abermals mannhaft verbirgt. Doch selbst wenn er anders möchte: Ganz abtöten kann er seine Karitas für seinen Finanzminister nicht. Denn Mitleid, das lesen wir schon bei Aristoteles, haben wir vor allem mit jenen, die uns hinsichtlich ihres Charakters ähnlich sind, bis hin zu den klitzekleinsten Schmutzeleien.

          Also Achtung, Politiker! Sagt ihr uns, mit wem ihr Mitleid empfindet, dann sagt ihr uns auch, wer ihr seid. Ob sich deshalb die öffentlichen Empathiebekundungen mit einzelnen, unfreiwillig aus dem Amt und auch sonst Geschiedenen in Grenzen halten? Doch gibt es natürlich noch das verklausulierte Mitleid, das nur kluge Köpfe entschlüsseln können. Wie etwa den Satz von Towarischtsch Schröder, er habe sogar schon von seinem Bundeskanzlergehalt leben können. Im Klartext bedeutet das: Schau, Steinbrück, armer alter Knabe, durch diese vier dürren Jahre im Kanzleramt musst du einfach durch, bevor der Rubel richtig rollt!

          Oder nehmen wir die Äußerung des Kieler Landtagssprechers, der zu dem spektakulären Verzicht des Piraten-Fraktionsvorsitzenden auf Dienstwagen und Diätenzulage (bescheidene 72 Prozent) bemerkte, das könne jeder Fraktionsvorsteher selbst entscheiden. Gemeint haben kann er nur: Armer, bemitleidenswerter Irrer! Und in der Tat: Hätte der Pirat doch früher etwas von der Last gesagt, die seine Seele und sein Bankkonto beschwert! Wie gerne würde man sein Leid mit ihm geteilt haben. Doch das grenzt jetzt schon an Selbstmitleid, und das ist eine andere Fraktur.

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