http://www.faz.net/-gpf-75u2i

Fraktur - Die Sprachglosse : Sogar mit Steinbrück und Söder

Mitleid nach Art der FDP: Wieder tönt es: „Meck, meck, meck!“ Plumps! Da ist der Rösler weg! Bild: Zeichnung WIlhelm Busch

Von wegen, die Politik sei kalt und herzlos geworden: Sie trieft nur so von Mitleid.

          Wir müssen jetzt doch einmal unsere Politiker in Schutz nehmen. Von wegen, die Politik sei kalt und herzlos geworden. Gut, in der FDP geht es etwas zugig zu, das haben freie Märkte so an sich. Doch im von internationaler Solidarität und christlicher Nächstenliebe beherrschten Teil des politischen Spektrums hagelt es seit Tagen nur Mitgefühl, und zwar parteiübergreifend.

          Gabriel hat, obwohl dafür nicht zuständig und schon gar nicht qualifiziert, Mitleid mit Rösler, Schäuble mit Steinbrück und sogar Seehofer ein bisserl mit Söder, auch wenn der CSU-Vorsitzende seine wahren Gefühle abermals mannhaft verbirgt. Doch selbst wenn er anders möchte: Ganz abtöten kann er seine Karitas für seinen Finanzminister nicht. Denn Mitleid, das lesen wir schon bei Aristoteles, haben wir vor allem mit jenen, die uns hinsichtlich ihres Charakters ähnlich sind, bis hin zu den klitzekleinsten Schmutzeleien.

          Also Achtung, Politiker! Sagt ihr uns, mit wem ihr Mitleid empfindet, dann sagt ihr uns auch, wer ihr seid. Ob sich deshalb die öffentlichen Empathiebekundungen mit einzelnen, unfreiwillig aus dem Amt und auch sonst Geschiedenen in Grenzen halten? Doch gibt es natürlich noch das verklausulierte Mitleid, das nur kluge Köpfe entschlüsseln können. Wie etwa den Satz von Towarischtsch Schröder, er habe sogar schon von seinem Bundeskanzlergehalt leben können. Im Klartext bedeutet das: Schau, Steinbrück, armer alter Knabe, durch diese vier dürren Jahre im Kanzleramt musst du einfach durch, bevor der Rubel richtig rollt!

          Oder nehmen wir die Äußerung des Kieler Landtagssprechers, der zu dem spektakulären Verzicht des Piraten-Fraktionsvorsitzenden auf Dienstwagen und Diätenzulage (bescheidene 72 Prozent) bemerkte, das könne jeder Fraktionsvorsteher selbst entscheiden. Gemeint haben kann er nur: Armer, bemitleidenswerter Irrer! Und in der Tat: Hätte der Pirat doch früher etwas von der Last gesagt, die seine Seele und sein Bankkonto beschwert! Wie gerne würde man sein Leid mit ihm geteilt haben. Doch das grenzt jetzt schon an Selbstmitleid, und das ist eine andere Fraktur.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Per Bulldozer ins Massengrab Video-Seite öffnen

          Tote IS-Kämpfer : Per Bulldozer ins Massengrab

          Das sogenannte Kalifat der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat im Irak und in Syrien bröckelt immer weiter. Das Schicksal der getöteten Kämpfer sorgt bei den Menschen vor Ort nicht für Mitleid: Im irakischen Dhuluijah sind die Verstorbenen mit Bulldozern in Massengräbern am Stadtrand verscharrt worden, nachdem die Leichen offen herumgelegen hatten.

          Trends für die kalte Jahreszeit Video-Seite öffnen

          Wintermode : Trends für die kalte Jahreszeit

          Wer nur an lange Mäntel denkt, liegt modetechnisch diesen Winter gar nicht so verkehrt. Dazu eine Baskenmütze, ein langer Rock, Hahnentritt und die Farbe Rot - fertig ist der Fashionista-Trendstyle.

          Topmeldungen

          Telekom-Aktien verkaufen, um den Breitbandausbau zu finanzieren? Das fordern zumindest FDP und Grüne.

          Jamaika sucht Geldquellen : Verkauft der Bund die Telekom-Aktien?

          Um neue Ausgaben und Steuersenkungen zu finanzieren, suchen Politiker einer künftigen Jamaika-Koalition nach Geldquellen. Alleine mit Telekom- und Post-Anteilen ließen sich Milliarden generieren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.