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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 19.04.2013, 15:07 Uhr

Fraktur - Die Sprachglosse Soft-Token – Die Zukunft hat schon begonnen

Seit der Quick-Response-Code, der Uniform Resource Locator und die Zwei-Faktor-Authentifizierung unser Leben erleichtern, wissen wir, dass H.G. Wells tatsächlich in die Zukunft blicken konnte: Die Aufspaltung der Menschheit in Eloi und Morlocks hat schon begonnen.

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© Zeichnung Wilhelm Busch Soft and broken: Technisches Wissen ist und bleibt Macht.

Wo das alles enden wird, hat H. G. Wells schon 1895 in seinem Roman „Die Zeitmaschine“ vorausgesagt: Die Menschheit wird sich aufspalten in nette und schöne, aber etwas dämliche Eloi und in nicht ganz so adrette Morlocks, die gelegentlich ein paar von den Blondchen verspeisen, dafür aber im Hirn behalten haben, wat ne Dampfmaschin is. Technisches Wissen ist auch in ferner Zukunft noch Macht, weswegen die Morlocks nicht säen und ernten, sondern nur mit der Sirene tuten müssen, damit die Eloi brav Kokosnuss und Blumenkranz zur Seite legen, um zum Abendessen zu kommen.

Berthold  Kohler Folgen:

Bis zu solchen geordneten Verhältnissen haben wir natürlich noch einen langen Weg vor uns; nach Wells Berechnungen werden wir erst in gut 800.000 Jahren so weit sein. Doch die ersten Zeichen der Teilung der Völker in technisch intelligente Wesen und mindestens in dieser Hinsicht minderbemittelte sind schon jetzt zu erkennen. Nerds und Nicht-Nerds, die Urahnen von Morlocks und Eloi, sprechen bereits zu Beginn des 21. Jahrhunderts keine gemeinsame Sprache mehr.

Nehmen wir nur einmal folgende Mail aus einer freundlichen, kompetenten und wirklich userorientierten IT-Abteilung. In ihr heißt es: „Im Anhang erhalten Sie Ihr Soft-Token als Quick-Response Code für den externen Zugriff auf die AHP.“ Aha.

Als Angehöriger der Generation Soft-Eis klammert man sich in einem solchen Fall an den Begriff, den es schon in der untergegangenen analogen Welt gab, den Anhang. Doch erweist sich dieses Relikt aus der Zeit, in der Deutsche noch deutsch miteinander sprachen, erst recht als Tor zur Hölle des Technolekts.

Überschrieben ist der Anhang mit „Externe Anmeldung an der Application Hosting Platform über Zwei-Faktor-Authentifizierung“. Dahinter wartet auf digital zurückgebliebene Seelen ein „Uniform Resource Locator“ für den „Google Authenticator“, ein hübscher QR-Code, ein Citrix-Receiver zum Downloaden und der beruhigende Hinweis, dass das Token namens oath747xyungelöst oder so für den (nun kurz vor dem Schreikrampf stehenden) Benutzer „ausgerollt“ wurde.

Werden jedoch „zu viele OTPs ohne eine darauffolgende Anmeldung generiert, ist das Token nicht mehr synchronisiert. In diesem Fall ist eine Anmeldung nicht mehr möglich“.

Man möchte „Was du wolle?“ brüllen, auch wenn, es kann ja nicht jeder alles können, der Citrix-Receiver diesen Soziolekt vermutlich nicht versteht. Sollte der ganze Elektriktrick nicht unsere Arbeit, ach was, unser Leben leichter machen? Wir aber fühlen uns jetzt wie Catweazle, nachdem er aus dem 11. ins 20. Jahrhundert katapultiert worden war. Und der konnte immerhin Englisch.

Doch von Albion weht nicht nur Verzweiflung, sondern auch Trost herüber. H. G. Wells visionärer Roman endet damit, dass ein Mann aus der tiefsten Vergangenheit die Morlock-Maschinenunterwelt mit ihrer ganzen Weich- und Hartware in die Luft sprengt. Erst jetzt verstehen wir so richtig, warum wir das schon immer irgendwie gut fanden.

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Quelle: F.A.Z.

 

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