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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Fraktur - Die Sprachglosse So eine Schweinerei!

Die Würde der Kuh ist unantastbar, der Griff ans Euter eine Grenzüberschreitung. Die Devise muss daher lauten: Null Toleranz für Laktose!

© Zeichnung Wilhelm Busch Vergrößern Und was ist eigentlich mit der Würde der Ziege?

Hier einmal außer der Reihe etwas für unsere Bildungstiger. Wer hat folgenden Satz gesagt: „Dieses Tier hat ein schönes Euter“? A) Ilse Aigner B) Didi Hallervorden C) Rainer Brüderle? Natürlich alle falsch! Diese gar nicht witzige Äußerung stammt von Ludwig Thoma, also aus einem Jahrhundert, in dem Männer (Anmerkung für die Gleichstellungsbeauftragten: Frauen müssen hier nicht genannt werden, weil sie so etwas grundsätzlich nicht taten und tun) noch anzüglich über die eine oder andere unschuldige Kuh reden konnten, ohne die Konsequenzen dafür tragen zu müssen.

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Doch diese dunklen Tage sind glücklicherweise überwunden. Im Zeitalter der Globalisierung ist die Würde der Kuh auch außerhalb Indiens unantastbar, und der Griff des Milchbauern ans Euter daher eine Grenzüberschreitung, die nicht zufällig auf dem schlüpfrigen Terrain der Butterberge und Milchseen endete. Auch die Werbung des späten 20. Jahrhunderts sagte doch schon alles: „Milch macht müde Männer munter“ – so eine Schweinerei! Zum Glück wehrt sich unsere Gesellschaft inzwischen von selbst gegen das Diktat der offenbar immer noch von Männern beherrschten Milchwirtschaft: Null Toleranz für Laktose!

Unsere Frauen scheinen dabei abermals das feinere Gespür für die geknechtete und im Melkstand geknetete Kreatur gehabt zu haben. Hätten wir Männer bloß schon früher die Botschaft verstanden, die mit dem Auftauchen der Reis- und Sojamilch in unserem Kühlschrank verbunden war! Die laufende Kuh-Debatte – das schwere Los der Ziege sollte dabei nicht übersehen werden – muss aber selbst noch den Troglodyten in unseren Reihen klarmachen, dass es höchste Zeit ist, vom Ovo-Lakto-Vegetarismus zum Voll-Veganismus zu konvertieren, auf dass das Rind uns nicht zum Schicksal wird, auch klimatechnisch nicht. Falls wir mit dieser Bemerkung einer (dummen) Kuh zu nahe getreten sein sollten, möchten wir uns bei ihr entschuldigen.

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Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 28.01.2013, 16:01 Uhr