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Fraktur - Die Sprachglosse Schuh

25.01.2012 ·  Der Schuh hat nun auch Eingang in die politische Ikonographie des Westens gefunden.

Von Timo Frasch
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© dpa Gegen Wulff

Wenn früher das Fußvolk mit den Füßen abstimmte, haben diejenigen, die der Schuh drückte, beim Versuch, ihr Versagen anderen in die Schuhe zu schieben, wenigstens ihre Schuhe anbehalten. Wer das nicht tat, war entweder eine rote Socke (Chruschtschow), Westerwelle (Noppensocken) oder aber in Ländern beheimatet, in denen Schuhe - anders als bei uns - nicht wie rohe, sondern wie faule Eier behandelt werden und in denen Beduinen, die in Scheidung leben, zu sagen pflegen: „Ich habe meinen Pantoffel weggeworfen.“

Nun hat der Schuh auch Eingang in die politische Ikonographie des Westens gefunden. Zuletzt mussten das der Bundespräsident und der baden-württembergische Ministerpräsident erfahren, als sie Gefahr liefen, von den Schuhen Empörter getroffen zu werden. Dass sich nicht einmal Wulff diese anziehen wollte, verwundert insofern, als ihm die von ihm aufgetragenen Schuhe seiner Vorgänger viel zu groß zu sein scheinen.

Ein anderes Paar Schuhe ist die Koalition in Berlin, über die der französische Sozialist Guy Mollet in weiser Voraussicht sagte, sie sei das Kunststück, den rechten Schuh auf dem linken Fuß zu tragen, ohne Hühneraugen zu bekommen. Das Problem der Kanzlerin sind freilich nicht die Hühneraugen, sondern der Hühnerhaufen, dem sie, wenn noch ein Schuh daraus werden soll, vielleicht „den Schuh geben“ müsste. Weiterhin ihren Stiefel durchziehen wird allerdings Kristina Schröder. Wie sagte doch Alice Schwarzer: „Schuhfabrikanten produzieren Damenschuhe nicht zum Davonlaufen, sondern zum Dableiben; das ist ein Fehler.“

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Jahrgang 1979, Redakteur in der Politik.

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