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Fraktur - Die Sprachglosse : Sauer, stinksauer, Ramsauer!

Irgendwie süß! Bild: picture alliance / dpa

Der Säuregehalt der deutschen Politik steigt stetig an. Das finden wir irgendwie richtig süß.

          Das haben sie nun davon, die Leute von General Motors: Philipp Rösler ist „sauer“ auf sie, wegen der Fehler, die der Opel-Mutterkonzern gemacht habe. Das Heulen und Zähneklappern aus Detroit meint man bis hierhin zu hören. Nur einen Tag später muss sich der Wirtschaftsminister wie üblich von einem Parteifreund übertrumpfen lassen: Über den Daten-Klau aus seinem Gesundheitsministerium ist Daniel Bahr nicht einfach sauer, sondern „stinksauer“. Dem Apotheker-Spion, wenn er ihn zu fassen kriegt, wird er bestimmt die Ohren langziehen.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Politiker wollen keine gefühllosen Phrasenmaschinen mehr sein, also bekennen sie sich zu ihren Emotionen, auch zu den negativen. Seit der Wutbürger zum Machtfaktor geworden ist, posiert der Wutpolitiker als zürnender Gott oder zumindest strenger Vater: Wartet nur, Papa ist sauer! Mit der Autorität aber ist das so eine Sache. Die FDP-Buben Bahr und Rösler jedenfalls wirken, wenn sie so richtig sauer sein wollen, irgendwie - süß. Der Säurehaushalt der deutschen Politik steigt gleichwohl stetig an. Vor zwei Wochen erst hat sich der Verkehrsminister, der ohnehin ständig Ramsauer ist, wegen der verschobenen ICE-Auslieferung „stocksauer“ auf Siemens gezeigt. Horst Seehofer gab den Seinen gerade auch wieder Saures. Und als die Grünen kürzlich bei der Kür ihrer Spitzenkandidaten Claudia Roth in den sauren Apfel beißen ließen, bewahrte nur noch ein ausgewachsener Candystorm die Parteichefin vor der Unterzuckerung.

          Die Wutflut ebbt nicht ab

          Und Angela Merkel? Sauer ist nur ihr Gatte, sie selbst wirkt höchstens mal leicht angesäuert. Kaum vorstellbar, dass sie sich die Wüteriche in ihrem Kabinett zum Vorbild nimmt und bei der nächsten Griechen-Katastrophe erklärt, sie sei „übelst angefressen“, „echt auf 180“ oder habe „so ´nen Hals“. Sie scheint ihren Ärger zu schlucken, statt ihn publikumswirksam auszuspucken. Ungleich gefühliger gibt sich ihr Vertrauter Peter Altmaier: Der ist wegen der steigenden Strompreise „sehr sauer, sauer auf uns alle“ und damit strafender Vater und sündiger Sohn in Personalunion. Doch geht ein Zorn auf alle nicht ins Leere? Können die Deutschen sich kollektiv in die Ecke stellen - zumal dann, wenn da bereits Altmaier steht?

          Die Wutflut scheint immer noch nicht abzuebben. Und was dem Volke recht ist, das ja notorisch sauer auf seine Vertreter ist, darf den Politikern billig sein. Nicht von ungefähr ist das Sauerkraut unser Nationalgericht. Sauer macht bekanntlich lustig: Deutschland, einig Sauerland!

          Quelle: F.A.Z.

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