http://www.faz.net/-gpf-74q5o

Fraktur - Die Sprachglosse : Ringen

Szene aus dem Deutschen Bundestag Bild: Berthold Kohler

Kaum ein Sport ist so alt wie das Ringen; schon in der Antike warfen eingeölte Fleischberge einander zu Boden. Nun hat es in der Politik Konjunktur.

          Kaum ein Sport ist so alt wie das Ringen; schon in der Antike warfen, schleuderten und hebelten eingeölte Fleischberge einander zu Boden. Gemessen an dieser Tradition, ist das Renommee der Ringer heute verblüffend dürftig. Sogar bei Olympischen Spielen ist das Interesse am Ringen geringer als das am Rudern, Rennen und Reiten. Noch bescheidener ist es um den Rang der Ringer-Bundesliga bestellt: Wer weiß schon, dass der aktuelle deutsche Meister SV Germania Weingarten heißt, dank eines Sieges über den Kraftsportverein Athletik Einigkeit Köllerbach-Püttlingen?

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Doch wenigstens in der Politik hat das Ringen Konjunktur. Kaum ein Tag, an dem nicht ein „langes“, „hartes“, „zähes“ oder gar „harziges“ Ringen um etwas zu verzeichnen wäre, um eine Waffenruhe etwa, um Betreuungsgeld oder Elternzeit, um Hilfen für Griechenland oder Italien. Letzteres mag Freunde des Ringsports daran erinnern, dass laut Ringregelwerk im sogenannten Freistil der gesamte Körper des Gegners angegriffen werden darf, während im griechisch-römischen Stil nur Attacken oberhalb der Gürtellinie erlaubt sind. Doch seien jene, die nun mit Kennermiene verkünden wollen, das Verhalten gewisser Griechen in der Schuldenkrise zeige eben wieder einmal, dass die Leute im Südosten Europas nicht mehr die edelmütigen Hellenen von einst seien, die einander nackt, aber fair niederrangen, daran erinnert, dass für den Kampf gegen auswärtige Gegner wie Xerxes oder Frau Merkel schon immer andere Regeln galten.

          Doch keinem wird’s gegeben ohne Ringen. Wähler wissen das. Gleichsam als Gladiator der Gruppe, deren Interessen er vertritt, muss ein Politiker daher beweisen, dass er imstande ist, den jeweiligen Gegner auf die Matte zu bringen. Wenn ihm das nicht gelingt, muss er immerhin so schön wie Schillers Don Carlos versichern können, dass er, wenn auch leider vergebens, „gerungen habe/Gerungen, wie kein Sterblicher noch rang“.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Etappensieg für DRL

          Ringen : Etappensieg für DRL

          Die Deutsche Ringer-Liga (DRL) erzielt einen Sieg auf juristischem Terrain. Der Internationale Ringerverband UWW hat sein Strafandrohungen vorerst zurückgezogen. Ein Hinweis darauf war wohl schon der Kampf des serbischen Olympiasiegers Davor Stefanek.

          Schnell nach Olympia klettern Video-Seite öffnen

          Hohe Ziele : Schnell nach Olympia klettern

          In Tokio soll das „Speedclimbing“ 2020 erstmals olympisch am Start sein. Trainiert wird dafür schon jetzt – steil hinauf und mit leichtem Überhang.

          Topmeldungen

          Die Schmetterlinge sollen leben: Protest einer europäischen Bürgerinitiative gegen Glyphosat.

          Streit um Herbizid : Glyphosat, angezählt

          Ein brisantes Thema der vergangenen Jahre könnte in der kommenden Woche ein Ende finden. In Brüssel stimmen die Staaten über die weitere Zulassung für das Herbizid ab. Bleibt Deutschland Enthaltungsweltmeister? Die Befürworter von Glyphosat in der EU werden weniger.
          So kennt man ihn: Der französische Schriftsteller Michel Houellebecq, rauchend.

          Houellebecq und der Islam : Religion ist nicht zu zertrümmern

          Welche umstürzende Kraft der Schriftsteller Michel Houellebecq der Religion und dem Islam zutraut, wissen wir seit dem Roman „Unterwerfung“. Jetzt äußert er sich nochmals dazu – und bringt den Katholizismus als Staatsreligion ins Gespräch.

          Anders als Katalonien : Italiens Norden will mehr Autonomie

          Die Krise in Katalonien wirft ihre Schatten: Auch in Italien stehen heute in zwei der wirtschaftsstärksten Regionen Referenden über mehr Autonomie an. Doch dort gibt es einen wichtigen Unterschied.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.