http://www.faz.net/-gpf-72un4

Fraktur – Die Sprachglosse : Niedersächsistisch

Ertappt: Niederträchtige CDU-Männer Bild: Wilhelm Busch

Da waren wir erst einmal sprachlos: Neue Enthüllungen über die niederträchtigen Niederungen Niedersachsens.

          Liebe Niedersachsen und Niedersächsinnen, wir müssen Ihnen an dieser Stelle ein Geständnis machen: Hessisch-blauäuig, wie wir sind, haben wir Sie lange für langweilig gehalten. Für bodenständig, solide, unaufgeregt und tierlieb, aber eben nicht für sonderlich sexy. Also für so eine Art Schwaben des Nordens. Dann jedoch sahen wir, dass auch Sie schillernde Gestalten wie den Sirtaki-Sigi (Copyright Rainer Brüderle) und den Gasprom-Schröder hervorbringen können, von diversen Erbfreunden ganz zu schweigen. Als dann Abkömmlinge Ihres Stammes auch noch an höchster Staatsstelle Glanz und Glamour verbreiteten, mussten wir unser Urteil vollständig revidieren. So trifft uns die neueste Enthüllung über das geheime Niedersachsen zwar nicht gänzlich unvorbereitet, aber immer noch hart genug.

          Es gibt bei Ihnen also einen „niederträchtigen Haufen niedersächsisch-sexistischer CDU-Männer“. Da waren wir erst einmal sprachlos, hätten wir einen solchen Fund doch eher bei der SPD erwartet. Doch ist diese Feststellung über jeden Zweifel erhaben. Sie stammt nämlich nicht von irgendwem, sondern von einem, der sich mit solchen Schweinereien bestens auskennt: dem menschenrechtspolitischen Sprecher der Bundestagsfraktion der Grünen, Volker Beck. Der arme Mann muss von Berufs wegen dauernd ein Auge auf derartige Phänomene werfen. In Ihrem Land hat er nun eine Spielart des Sexismus entdeckt, die den einfachen sexistischen Sexismus offenbar noch toppt: den niedersächsisch-sexistischen Sexismus. Wir ahnen zwar nicht einmal, was genau darunter zu verstehen ist, fürchten aber das Schlimmste und wollen mehr auch gar nicht wissen. Das überlassen wir gerne Fachleuten wie Beck.

          Als besonders wohltuend empfinden wir, dass in Zeiten, in denen es in der Republik nur so von niederträchtigen Gerüchten und Verleumdungen wimmelt, immerhin einer unserer Politiker sich ausschließlich an die harten und belegten Fakten hält. Selbst wenn die Menschenrechte angeblich auch für niedersächsistische CDU-Männer gelten, muss jetzt wenigstens Beck deren Namen nennen - wir wollen endlich jenseits jeglicher PR-Protokolle die ganze Wahrheit über Niedersachsen wissen. Der Grüne wird diesem niedersächsisch-niederträchtigen Haufen ja kaum sein Ehrenwort gegeben haben, die Spender der Gerüchte ungenannt zu lassen. Vermutlich wartet er nur darauf, dass der Buchmarkt wieder frei wird.

          Weitere Themen

          Eine Buchvorstellung wird zur Groko-Werbung Video-Seite öffnen

          Symbolisches Geplänkel : Eine Buchvorstellung wird zur Groko-Werbung

          Eigentlich sollte sie ein Buch über den ehemaligen SPD-Fraktionschef Peter Struck vorstellen. Doch angesichts der kommenden Koalitionsverhandlungen kamen Andrea Nahles und Volker Kauder nicht um das Thema „Große Koalition“ herum. Kauder gab für den Fall, dass es zu einer dritten Groko kommt, ein persönliches Versprechen ab.

          Topmeldungen

          Mit einer Kundgebung vor dem Berliner Reichstagsgebäude fordern Demonstranten die Abschaffung von Paragraf 219a.

          Abtreibungsgesetz : Straffrei, aber geächtet

          Die Debatte zum Paragraphen über das Verbot der Werbung für Abtreibung wirft Fragen auf: Können Politiker Reklame und Information nicht unterscheiden? Und verhindert das Gesetz auch nur eine einzige Abtreibung?

          Vergabe-Streit um EU-Mittel : Bloß keine neuen Spaltungen!

          Berlin will die Vergabe von EU-Mitteln an die Kooperation in der Flüchtlingspolitik koppeln. Die Osteuropäer sind entrüstet. Und Brüssel will das Thema erst mal nicht anfassen. Was nun?

          Angriffe in Ost-Ghouta : Ein unmenschlicher Feuersturm

          Syrien bombardiert seit Tagen mit russischer Hilfe Ost-Ghouta. Krankenhäuser werden gezielt angegriffen. Und ein Angriff mit Bodentruppen könnte bevorstehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.