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Fraktur - Die Sprachglosse Mitleid für alle!

Trotz aller Umverteilung leidet diese Republik noch immer unter einer Asymmetrie des Mitgefühls. Oder hat man schon jemals einen Politiker sagen hören, er habe Mitleid mit seinen Wählern?

© Zeichnung Wilhelm Busch Asymmetrie des Mitleids: Nicht jedem aus dem Himmel Gefallenen wird es zuteil.

Dank darf man auch als Politiker nicht erwarten, das zeigen jetzt wieder die Trauerfeierlichkeiten für die Eiserne Lady. Zwei Salutschüsse weniger als für Churchill! Und das, obwohl sie doch 85 Milliarden aus Brüssel zurückholte und alles Menschenmögliche tat, um die europäische Einigung aufzuhalten, von der deutschen ganz zu schweigen. Churchill hatte dagegen nur den Krieg gewonnen, was ihm die Briten bereits zu Lebzeiten vergolten hatten, indem sie ihn abwählten. Ja, Undank ist des Politikers Lohn, das war schon immer so und wird auch so bleiben.

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Ganz anders verhält es sich dagegen mit dem Mitleid. Nach Jahren der Empathiephobie boomt es gerade in der Politik, besonders in der deutschen. Die Politiker haben herausgefunden, dass auch die von der anderen Feldpostnummer Menschen sind. Annette Schavan profitierte enorm von dieser Entdeckung. Peer Steinbrück erregt mittlerweile fraktionsübergreifend Mitleid, Claudia Roth erfuhr es sogar von der eigenen Partei. Und beim Blick auf die Entwicklung des Falles Wulff könnte auch bei anderen unglücklich aus dem Himmel Gestürzten wie Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis die leise Hoffnung keimen, dass endlich Mitgefühl wird, was lange schwärt.

Doch kommt man nicht umhin, bei der Verteilung des Mitleids eine ziemliche Asymmetrie festzustellen. Oder hat man schon jemals einen Politiker sagen hören, er habe Mitleid mit den Bürgern? Wenigstens mit jenen, die ihn nicht gewählt haben? Oder erst recht mit den Unglücksraben, die es taten? Gibt es irgendeine Partei, die auch beim Mitleid mehr Umverteilung fordert? Die „Mitleid für alle!“ auf ihre Fahnen schreibt? Oder zumindest „Das Mitleid ist sicher“?

Nicht einmal die sogenannte Alternative für Deutschland scheint diese Gerechtigkeitslücke zu stören. Wir einfachen Deutschen müssen daher weiter vom Mitgefühl der Griechen und Zyprer zehren, die uns - von wegen, es gebe keine europäische Solidarität mehr - aufrichtig dafür bemitleiden, von einer Frau mit Hitlerbart und in SS-Uniform regiert zu werden. Da bleibt einem wahrlich nur noch die Flucht ins Selbstmitleid. Und der Gedanke, dass die Eiserne Lady vielleicht doch nicht in allem ganz falsch lag.

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Quelle: F.A.Z.

 
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