Ausgerechnet unter den Menschen herrscht seit je große Uneinigkeit darüber, was vom Menschen zu halten sei. Das dokumentiert schon der mäandernde Gebrauch des Begriffs Mensch. Während er in der Wendung „Er ist ein Mensch geblieben“ ganz positiv besetzt ist, gilt für „Er ist auch nur ein Mensch“ eher das Gegenteil.
Klar war bisher allerdings, dass der Mensch – im Guten wie im Schlachten – das Maß aller Dinge ist. Kaum jemand konnte und wollte sich vorstellen, dass eine Blechtrommel, eine Rättin oder gar ein Roman einen Roman schreibt, dass ein Kaiman einen Porsche konstruiert oder dass die Bäume eines Buchenwalds ein Konzentrationslager betreiben. Nun hat die künstlerische Leiterin der Documenta 13, Carolyn Christov-Bakargiev, auch solche scheinbaren Gewissheiten ins Wanken gebracht: „Die beseelte und unbeseelte Materie ist den Menschen ebenbürtig“, sagte sie und bezog das ausdrücklich auch auf das Feld der Kultur. So sei etwa die kulturelle Produktion der Tomatenpflanze die Tomate.
Als Mensch mit seinen begrenzten Möglichkeiten kann sie das zwar nicht beurteilen. Das muss jedoch nicht heißen, dass sie falschliegt. Wissen wir denn, ob unter Billy-Regalen nicht gerade ein Historikerstreit tobt oder ob nicht in Afrika eine Elefantenrunde zusammensitzt und über das schlechte Abschneiden der Big Five bei der Wahl im Krüger-Nationalpark debattiert? Könnte es nicht auch sein, dass in der neuzeitlichen Philosophie der Alkoholika das Bier als die Maß aller Dinge gilt? Oder dass jüngst ein toter, in Formaldehyd eingelegter Tigerhai Damien Hirst als sein neuestes Kunstwerk vorgestellt hat?
Und wie sieht es schließlich mit den vielen Hunden aus, die jeden Tag auf unsere Straßen kacken? Am Ende sind sie Performancekünstler – und wir, die wir ihren Kot von der Straße klauben, verhalten uns wie einst die Banausen, die die fettige Kinderbadewanne von Joseph Beuys nicht als Kunst erkannten und sie einfach mal saubermachten.
Im Kapitalismus beutet der Mensch den Menschen aus
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 09.06.2012, 21:26 Uhr
Wenn der Mensch selbst das Mass bestimmt,
Edda Kuhlmann (DTaggert)
- 09.06.2012, 18:19 Uhr
Also ich hatte immer schon Hemmungen, einen Bleistift zu benutzen.
Otto Meier (DerQuerulant)
- 09.06.2012, 13:26 Uhr
Der Mens war nie, er ist nicht und wirdauch nie dass Mass aller Dingen sein
Josef Bujtor (Mramorak)
- 09.06.2012, 11:53 Uhr
im Schlachten oder beim Schlachten?
Cornelie Müller-Gödecke (Petuschki)
- 09.06.2012, 09:58 Uhr