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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Fraktur - Die Sprachglosse Make my day!

Sollen die Grünen doch ihre Veggies essen: Wir fordern die Einführung des Anti-Anglizismen-Days. Und natürlich die Ausrufung des Schweinshaxn-Tages.

© Zeichnung Wilhelm Busch Vergrößern Nur noch gesättigte Fettsäuren: Das Geistige kommt in diesem Wahlkampf zu kurz.

Wer gerade aus New York kommt, den kann auch in Deutschland nichts mehr überraschen, schon gar nicht die Ausrufung des Veggie Day. Erst dachten wir, wir hätten uns verhört und es ginge darum, anstelle des Sedantages, der kaum noch begangen wird, den Angie Day einzuführen. Den würden aber kaum die Grünen vorgeschlagen haben, wenngleich man nie wissen kann, was Pfarrersfrauen und -töchter bei Steckrübensuppe und Dinkelbratlingen so aushecken; es gab schon Wahlergebnisse, da wurde den Leuten hinterher schwarz-grün vor Augen.

Berthold  Kohler Folgen:  

Womit wir wieder beim Thema wären: der Volksgesundheit. Die können Gutessermenschen wie die Grünen natürlich nicht dem Volk überlassen. Vorbei mit „Mein Bauch gehört mir!“. Da könnte man ja gleich den Bock zum Greenkeeper machen oder Ronald McDonald zum Nachfolger von Ilse Aigner. Nein, für solche Premiumexzellenzinitiativencluster braucht es Leadership.

Denn es hängt ja auch auf diesem weiten Feld wieder alles mit allem zusammen, etwa unser Cholesterinwert mit der Klimaerwärmung. Diese komplexe Interdependenz verstehen in ihrer ganzen Tiefe aber nur Spezialisten für die sogenannte Kuhfurztheorie (in Amerika als „bullshit theory“ bekannt), also ebendie Grünen. Und so schwer ist es doch auch nicht, einmal in der Woche auf Fleisch zu verzichten. Don’t worry: Dann halten wir es mit Tante Voula („My Big Fat Greek Wedding“) und essen an diesem Tag einfach Lamm.

Ob aber die Tofu-Offensive wirklich der Blockbuster ist, der Rot-Grün endlich den Breakthrough bringt? Immerhin hatte Peer Steinbrück wenigstens einmal etwas zu lachen: Es gehe jetzt doch eher um die Wurst. Wir aber finden, dass in diesem Wahlkampf das Geistige zu kurz kommt. Wir hätten uns jedenfalls weit mehr über einen Vorstoß für einen Tag ohne Anglizismen gefreut: Das wäre unser innerer D-Day geworden, und das ist noch ein Understatement. Doch die Partei der Umweltschützer und Veganer interessiert sich natürlich zwangsläufig eher für unsere Darmflora als für unser Hirnschmalz, das nach Jahrzehnten der Berieselung mit schwachsinnigen Vorschlägen aus Bonn und Berlin nur noch aus überaus gesättigten Fettsäuren besteht. Wie soll man da zu einem coolen Brainstorming zum Thema Denglisch in der Lage sein? Es ist wirklich höchste Zeit für eine gesündere Politik. Und für eine Partei, die die christlich-abendländische Leitkultur der Schlachtschüssel hochhält und die Einführung eines Schweinshaxn-Tages fordert. Come on, Dirty Horst: Make my day!

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Quelle: F.A.Z.

 
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