Als „Löwen“ – so lassen die Salafisten in Deutschland wissen – wollten sie in die Schlacht ziehen: gegen die kuffar, die „Ungläubigen“, die bei Karl May in Abwandlung einer volkstümlichen türkischen Etymologie Giauren heißen und auch von Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawud al Gossarah in Mays Romanen immer so genannt werden.
Doch die Sache ist ernst, wie die Zusammenstöße vor einiger Zeit gezeigt haben. Dass der Islam eine „Kriegerreligion der Wüste“ sei, war eine einseitige, so zugespitzt nicht akzeptable Charakterisierung durch Max Weber; doch richtig ist, dass Wehrhaftigkeit unter vielen Muslimen durchaus als eine Tugend gilt.
Schon öfter hat man auch den türkischen Muslimen in Deutschland vorgehalten, dass so viele ihrer Moscheen nach Sultan Mehmed Fatih benannt sind, dem Eroberer Istanbuls 1453, oder auch nach Sultan Selim Yavuz, der noch weitaus größere Gebiete für das Osmanenreich erkämpfte. Gewiss: Es gibt auch Moscheen, die den Namen Mevlna Cellettin Rumis tragen, jenes mystisch inspirierten Sufi-Dichters aus dem Konya des 13. Jahrhunderts, der Liebe, Toleranz und Weisheit predigte.
„Siegreicher Glaube“
Aber bis in die Rhetorik hinein spürt man den Stolz vieler, auch völlig unfanatischer Muslime auf die früheren Kämpfer des Islam und ihre historischen Siege. Man stelle sich einmal vor, die inzwischen gar nicht mehr so kleine deutsche Gemeinde in Alanya würde eine Kirche bauen (können) und sie Richard Löwenherz widmen, dem Führer des Dritten Kreuzzuges.
Assadullah – Löwe Gottes – oder auch Haydar, ein persisches Wort für Löwe, sind durchaus gängige Vornamen in der islamischen Welt. Auch die syrische Herrscherfamilie, die Assads, hält sich für löwenherzig. Nicht nur ein Gaddafi-Sohn trägt den Vornamen Saif al islam – Schwert des Islam. Mancher heißt auch Saifullah, Schwert Gottes. Dies ist der ehrende Beiname des zweiten der „rechtgeleiteten Kalifen“, Chalid Ibn al Walid, der den Byzantinern einstmals Syrien entriss. Bis heute sind sich viele Muslime bewusst, dass ihre Religion aus einem Erfolgserlebnis entstanden ist: Der Islam wurde als religio triumphans, als siegreicher Glaube, geboren.
Als der Prophet Mohammed 632 in den Armen Aischas, seiner Lieblingsfrau, starb, waren nicht nur seine mekkanischen Landsleute und die Bewohner Medinas Muslime geworden, sondern Arabien hatte bereits den Islam angenommen. So war der Prophet, der auch selbst seine Anhänger in Kämpfen befehligt hatte, ein Triumphator. Nicht zuletzt der englische Historiker Thomals Carlyle nannte denn auch den islamischen Propheten eine der wirkmächtigsten Gestalten der Weltgeschichte. Das wussten die Muslime schon immer.
Verharmlosung
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