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Fraktur - Die Sprachglosse Linker Konservativer

Joachim Gaucks politische Selbstbeschreibung ist so bunt, dass sie auch seinem künftigen Vorgänger gefallen dürfte. Was hat das zu bedeuten?

© dpa Vergrößern Gauck, schwarz-weiß

Lange bevor Joachim Gauck von gemäßigten Linken, Liberalen und Konservativen als Präsidentschaftskandidat präsentiert wurde, hat er sich selbst schon als „linken, liberalen Konservativen“ präsentiert. Dieses nun oft wiederholte Wort, das alles meint, alles vereint und alles verneint, dürfte Gaucks künftigem Vorgänger gut gefallen - zumal es ähnlich bunt ist wie dessen eigener Begriff von bunt.

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Will uns Gauck etwa sagen, dass er unter den Konservativen als ein Linksliberaler zu gelten habe statt unter den Linksliberalen als ein Konservativer? Oder will er als Protestant, der er ja auch noch ist, darauf hinaus, dass er links, liberal und konservativ - zugleich oder gar in dieser Reihenfolge - sei und damit eine complexio oppositorum, wie sie nach Carl Schmitt eigentlich nur Katholiken für sich beanspruchen können? Wenn das so ist, warum sagt es der sonst so beredte Gauck dann nicht so, sondern anders? Und warum beschreibt er, der seine Wahl zum Bundespräsidenten letztlich der FDP zu verdanken haben wird, sich nicht als „linken, konservativen Liberalen“? Oder - den rot-grünen Gaucklern zuliebe - als „konservativen, liberalen Linken“?

Wulff und Gauck wollen farbig sein

Beschränken wir uns der Einfachheit halber auf die verkürzte Wendung „linker Konservativer“. In diesem vermeintlichen Oxymoron (von griechisch oxys für „scharfsinnig“, und moros für „dumm“) ist „Konservativer“ das Hauptwort, dem „linker“ als adjektivisches Attribut beigeordnet ist. Dieses hängt nicht nur mit dem Hauptwort ab, sondern auch von ihm, in Fall, Zahl und Geschlecht. Die Kräfteverhältnisse scheinen also klar. Offenbar kommt es Gauck darauf an, das Konservative stärker zu gewichten als das Linke. Doch so einfach ist es nicht, nicht immer gilt rechts vor links, nicht immer sticht der Ober den Unter. Als künftiger erster Mann im Staate wird Gauck das noch merken.

Nehmen wir das Beispiel „schwarzer Schimmel“ - oder „weißer Schwarzer“. In diesen Fällen ist das jeweilige Attribut semantisch so dominant, dass es das Hauptwort unter sich begräbt: Wenn ein Schimmel schwarz ist, ist er kein Schimmel, wenn ein Schwarzer weiß ist, ist er kein Schwarzer. Ergo ist ein Schwarzer auch dann kein Schwarzer, wenn er rot-grün oder gelb ist. In dunklen Zeiten gab es sogar mal Zweifel, ob ein Schwarzer, wenn er reich ist, ein Schwarzer sein könne.

Jedenfalls hat der schwarze frühere Boxer Larry Holmes einst gesagt, ihm sei es erst gelungen, nicht mehr schwarz zu sein, als er genug Geld beisammen hatte. Wulff und Gauck hingegen wollen farbig sein. Zumindest Wulff hat dafür aber immer das Geld gefehlt. Deshalb hat er es ja so bunt getrieben, dass es dem Bürger (Lars Dietrich, Gauck et al.) irgendwann zu bunt wurde.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 02.03.2012, 16:53 Uhr