Home
http://www.faz.net/-gv3-74eog
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Fraktur - die Sprachglosse Liebe

 ·  Dass es sich mit der Liebe nicht so verhält, wie Hannah Arendt einst meinte, können uns die „political animals“ der Republik bestätigen.

Kolumne Bilder (1) Lesermeinungen (1)

Dass es sich mit der Liebe nicht so verhält, wie Hannah Arendt einst meinte, können uns die „political animals“ der Republik bestätigen. Arendt hatte - wohlbemerkt vor der Erfindung des Parlamentsfernsehens - gesäuselt, Politik sei in Wirklichkeit „angewandte Liebe zum Leben“. Vielleicht hatte sie dabei einen wichtigen Gedanken unberücksichtigt gelassen: Dass im politischen System vornehmlich solche Wesen überleben, die ihr sogenanntes Leben allein der Politik widmen. Wenn Bundesumweltminister Peter Altmaier also sagt, er habe eigentlich nie ein Privatleben gehabt, dann hätte Frau Arendt nur konstatieren können, Altmaier habe wohl gedacht, Politik sei angewandte Liebe zur Politik. Weshalb seine Ausführungen - bei aller Liebe - durch und durch unpolitisch seien. (Diesem Urteil hätten wir liebend gern zugestimmt.)

Sogar die für ihre Gefühligkeit bekannte Bundesvorsitzende der Grünen Claudia Roth hätte der Gelehrten wohl keine Freude gemacht. Sie sagte kürzlich: „Ich kann mir nicht vorstellen, wie der Job, den ich gerade mache, mit einer Beziehung funktionieren soll.“ Seine Arendt kennt offenbar nur der Fraktionsvorsitzende der schleswig-holsteinischen FDP, Wolfgang Kubicki. Dem waren die amourösen Risiken eines Politikerlebens in der Hauptstadt schon vor Jahren bewusst, weshalb er seine Entscheidung, der Bundespolitik fernzubleiben, mit dem bemerkenswerten Satz erklärte: „Ich würde in Berlin zum Trinker werden, vielleicht auch zum Hurenbock.“

Da bleiben dem Bürger eigentlich nur noch zwei bange Fragen: Einerseits, was aus einem Land werden soll, das von den Ungeküssten regiert wird, seien sie von der einen oder von der anderen Partei. Andererseits, was aus einem Land werden soll, in dem die Frage nicht mehr lautet, ob das Private politisch, sondern ob im Politischen überhaupt noch irgendetwas privat ist.

Hoffen lässt im Rückblick ausgerechnet ein Politiker, der für kein Amt mehr zur Verfügung steht: Franz Müntefering. Der hatte in einer Parteitagsrede 2004 auch den Satz von Hannah Arendt zitiert, daraus aber einen anderen Schluss gezogen und gesagt: „Lasst uns Politik machen!“ Sprich: Ganz ohne Zing-Zing und Tü-Tü. Vielleicht ist das in seiner Einfachheit - dem Publikum zuliebe - gar keine schlechte Idee.

  Weitersagen Kommentieren (4) Merken Drucken
Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)
Weitere Empfehlungen
Eine Antwort auf Martin Schulz Wir sind widersprüchlicher als unser digitaler Zwilling

Bleibt am Menschen nicht immer etwas übrig, das so unberechenbar ist, dass selbst der komplexeste Algorithmus an seine Grenzen stößt? Eine grüne Antwort auf das Schreckensszenario des „determinierten Menschen“ von Martin Schulz. Mehr

11.04.2014, 10:54 Uhr | Feuilleton
Offener Brief an Eric Schmidt Warum wir Google fürchten

Zum ersten Mal bekennt hier ein deutscher Manager die totale Abhängigkeit seines Unternehmens von Google. Was heute die Verlage erleben, ist ein Vorbote: Bald gehören wir alle Google. Ein Offener Brief an Eric Schmidt. Mehr

16.04.2014, 09:16 Uhr | Feuilleton
Herzblatt-Geschichten So jung und unerfahren

Wenn Promis lachen, weinen die Klatschblätter. Aktuell bereitet besonders Helene Fischers Glück Sorgen. Und Leonardo DiCaprio ist geradezu anstößig normal! Zum Glück geht Verona Pooth da in die Boulevard-Offensive. Mehr

13.04.2014, 12:00 Uhr | Gesellschaft

16.11.2012, 16:40 Uhr

Weitersagen