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Fraktur - Die Sprachglosse Leipziger Einerlei

 ·  Also lautet ein Beschluss, dass der Mann nun Frau sein muss: Wie eine deutsche Universität wenigstens sprachlich für Geschlechtergerechtigkeit sorgt.

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Der Sprachknaller, pardon: die Sprachknallerin der Woche, ach was, des Jahres stammt diesmal nicht aus der Politik, was etwas heißen will, sondern aus der Wissenschaft, genauer gesagt von der Universität Leipzig, die ja schon das Allerlei erfunden hat. Ihr neuester Geniestreich ist die Verweiblichung ihrer Verfassung. In ihr kommen jetzt alle Titel und Ämter nur noch im generischen Femininum vor: die Professorin, die Prodekanin, die Gleichstellungsbeauftragte, die Hausmeisterin. Eine Fußnote besagt, dass diese Bezeichnungen auch für Personen männlichen Geschlechts gelten.

Ein Meilenstein auf dem langen und mühsamen Weg hin zur geschlechtergerechten Sprache! Werte Kolleginnen in den Medien: Bitte denken Sie erst einmal nach, bevor Sie an dieser Entscheidung herumnörgeln mit Kalauern wie „meine liebe Frau Gesangsverein“. Die Uni Leipzig hat mit einem Federstrich und ein paar Nachsilben eine Frauenquote von hundert Prozent erreicht, das soll ihr erst einmal eine nachmachen. Zweifellos wird jetzt die Politik diesem Vorbild folgen, sie sucht ja händeringend auch auf diesem Gebiet nach guten Lösungen, man denke nur an „das Gott“. Doch warum auf halbem Wege, also beim Neutrum haltmachen, wo das ewig Weibliche doch, wie man spätestens jetzt sieht, für alles und jeden stehen kann? Dann müssten Politiker, die sich sprachlich korrekt verhalten wollen, bei der Eröffnung der Kleintierzüchter- und Kleintierzüchterinnenausstellung in ihrem Wahlkreis auch nicht mehr sagen: Liebe Hühner und Hühnerinnen! Hühnerinnen genügte.

Endlich könnte man sich dann auch wieder das „Gender gap“ (Vergewaltiger_innen) sparen. Und auch der/die UnsinnIn mit dem Binnen-I hätte ein Ende. Kluge FeministInnen haben uns ja darüber aufgeklärt, dass diese Binnenversalien in Wahrheit Phallussymbole sind. Ein schönes Beispiel dafür, wie blind Übereifer machen kann.

Unübersehbar aber ist, dass unsere Gesellschaft nicht nur sprachlich die überkommene Fixierung auf das binäre Geschlechtersystem überwindet. Wie immer marschiert auch an der Spitze dieser Emanzipationsbewegung unsere progressive Hauptstadt, hier in Gestalt ihres schönen Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg. Der erweitert seine öffentlichen Toilettenanlagen um „Unisex“-Kabinen, die dem Vernehmen nach große Bedeutung für den Alltag von Intersexuellen und Transsexuellen haben sollen. Denn eine Einteilung in nur nach Männern und Frauen getrennte Toiletten benachteilige „Menschen, die sich entweder keinem dieser beiden Geschlechter zuordnen können oder wollen - oder aber einem Geschlecht, das sichtbar nicht ihrem biologischen Geschlecht entspricht“.

Fasst man die jüngsten Fortschritte auf dem weiten Feld der Geschlechtergerechtigkeit zusammen, wird es in Berlin also bald Bedürfnisanstalten geben, die folgendermaßen eingeteilt sind: Frauen, Frauen, Unisex. Sollte es da, wider Erwarten, im Alltag Genderprobleme geben, muss man nur die Uni Leipzig fragen. Die hat sich nach eigenem Bekunden auch schon bei der Entscheidung für das generische Femininum allein von „absolut pragmatischen“ Erwägungen leiten lassen.

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