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Veröffentlicht: 21.09.2012, 16:42 Uhr

Fraktur - Die Sprachglosse Kreise

Immer mehr Abgeordnete organisieren sich in informellen Kreisen. Das stößt auf Unmut in den Parteizentralen. Trifft man sich deshalb meist an Orten, die möglichst weit von der Hauptstadt entfernt sind?

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© REUTERS Im Kreissaal der Republik

Dass der Kreis von den frühen Fans der Geometrie als vollkommenste aller Formen bejubelt wurde, ist kein Gedanke, der sich - sozusagen im Zirkelschluss - auf das Machtgefüge der Berliner Republik übertragen lässt. Dort sind es, nach Archimedes, keine römischen Soldaten, welche die Kreise des Denkers stören, sondern umgekehrt die Kreise, welche den Parteisoldaten einiges Kopfzerbrechen bereiten. Zum Seeheimer Kreis von pragmatischen Sozialdemokraten, dem Schaumburger Kreis von wirtschaftsliberalen Freidemokraten und dem Berliner Kreis von konservativen Unionspolitikern hat sich nun auch ein Kreis „Liberaler Sozialdemokraten“ gesellt. Dass die Verkreisung der Parteienlandschaft zu erheblichem Unmut in den eingekreisten Parteien führen kann, mussten jüngst die Mitglieder des Berliner Kreises erfahren.

Justus Bender Folgen:

Ihre Ankündigung, ein Manifest konservativer Forderungen zu veröffentlichen, wurde von der Parteiführung mit Argwohn quittiert - was an der fehlenden Schnittmenge mit der Parteiführung liegen mag oder an der Furcht, ideologische Buchstabentreue, wie sie politische Kreise meist pflegen, könnte die Flexibilität der Parteimeinung tangieren. Dass sich aber allein schon die Formulierung des Manifests für den Berliner Kreis als Quadratur desselben erwies, erinnert an eine von Platon erkannte Eigenschaft des Kreises: „Rund ist doch wohl das, dessen äußerste Teile überall vom Mittelpunkt aus gleich weit entfernt sind.“ Weil dies in politischen Kreisen nicht nur für den Mittelpunkt, sondern auch für den Konsens gilt, droht Kreisen in der politischen Formenlehre mitunter die Sprachlosigkeit.

Zeichnet man alle Politikerkreise ihrem Ortsnamen nach auf einer Deutschland-Karte ein, wie es das „Zeit“-Magazin im Vorjahr gemacht hat, fällt auf, dass sich einige - etwa der Babelsberger (Grüne), der Sylter (FDP) und der Potsdamer (CDU) zwar im Umkreis der Hauptstadt versammeln; alle übrigen - der Freiburger (FDP), Tübinger (SPD), Kressbronner (CDU/SPD), Seeheimer (SPD) und andere - sich aber ganz auf Südwestdeutschland konzentrieren. Diese Erkenntnis in Verbindung mit der Tatsache, dass der einflussreichste in der Geschichte der Kreise, der sogenannte Anden-Pakt, in einem Flugzeug über dem gleichnamigen Gebirge in Südamerika geschlossen wurde, mag die These belegen, dass die Gedanken von Politikern desto mehr zu kreisen beginnen, je weiter sie vom Kreisrund des Berliner Plenums entfernt sind.

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Quelle: F.A.Z.

 

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