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Fraktur - Die Sprachglosse Kalorienbomben

04.02.2012 ·  Die Schwarzwälder Kirschtorte als Mittel des politischen Kampfs: eine Glosse.

Von Berthold Kohler
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Nicht nur in der Weihnachtsbäckerei gibt es manche Kleckerei. Auch in der Politik, die ja schon genug mit Schweinereien zu tun hat - man denke nur an die Dioxin-Eier, die Wahnsinnsrinder und die Antibiotikum-Tabletten in Hühnerschnitzelform -, scheint die Neigung zuzunehmen, inhaltsarme Argumente durch Kalorienbomben zu ersetzen.

Bundeskanzler Kohl ging einem Menschen, der ihn mit einer konventionellen Cholesterin-Granate beworfen hatte, noch an den Kragen. Heutige Politiker aber tun so, als hätten sie nach feiner französischer Art gar nicht bemerkt, öffentlich paniert worden zu sein; der Präsidentschaftskandidat Hollande unterschrieb im mehlbestäubten Zustand noch einen Pakt zur Bekämpfung der Wohnungsnot.

Andere freuen sich gar ausdrücklich, dass sie eine Torte ins Gesicht gedrückt bekommen haben. Das setzt schließlich voraus, dass man (zumindest vorher) noch erkannt und das Opfer einer Schwarzwälder Kirsch für wert befunden worden ist. Kruzefix, wird Söder fluchen, schon wieder schieben sie dem die Sahneschnitten rein!

Doch wo soll es noch hinführen, wenn Politiker zu verstehen geben, dass ihnen diese Form der Zuneigung gar nicht so zuwider ist? Hört diese Raserei nicht sofort auf, dann könnten eines Tages besonders beliebte Amtsträger unter Bergen von Marmorkuchen, Mittelklassewagen oder Einfamilienhäusern begraben werden. Ganz abgesehen von dem verheerenden Signal, den dieser verschwenderische Umgang mit Grundnahrungsmitteln an die ehemalige Dritte Welt sendet.

Da sollten wir Eier, Mehl und Safran doch lieber in die Biogasanlage kippen, schon unseres guten Gewissens halber. Und in den öffentlichen Debatten bei den bekannten kalorienarmen Argumenten bleiben, so schwer es auch fällt.

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Jahrgang 1961, Herausgeber.

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