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Fraktur - Die Sprachglosse Kaffeehausintellektueller

 ·  Verteidigungsminister de Maizière hat sich über die „Kaffeehausintellektuellen“ beschwert. Wen mag er damit gemeint haben? Es gibt einen ganz, ganz heißen Kandidaten.

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Von einem berühmten Schriftsteller geht die Kunde, er habe jeweils zum Weihnachtsfest einen Bettler engagiert, der vor dem Esszimmerfenster auf- und ablaufen, in seine klammen Hände pusten und immerzu vor sich hinmurmeln musste: „Puh, ist das kalt hier.“ So konnte der Hausherr vor dem wohligen Ofen die Weihnachtsgans umso mehr genießen. Nach einem ähnlichen Prinzip verfahren Waldemar Hartmann, dem sein Weißbier immer dann besonders gut schmeckt, wenn die Deutschen im Zweikampf den „Stahlhelm“ (Hansi Flick) aufsetzen müssen, oder die sogenannten Kaffeehausintellektuellen, die von Stammtischschwätzern, Salonstalinisten und Sandkastensalafisten nur das Getränk unterscheidet.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat ihnen zuletzt vorgeworfen, sie verlangten ein militärisches Eingreifen in Syrien, „ohne je darüber Rechenschaft ablegen zu müssen, was das bedeutet“. Kann der Protestant im Ministeramt denn nicht verstehen, dass eine Sachertorte erst dann so richtig mundet, wenn man sich sicher sein kann, dass die Freiheit zum Rumlabern und Wichtigtun nicht nur am Hindukusch, sondern auch in Homs und Hula verteidigt wird? Wen de Maizière mit seiner Kritik gemeint hat, ist unklar. Bundeswehrprofessor Michael Wolffsohn hatte nach einem Fernsehdisput mit dem Minister sogleich sich selbst im Verdacht.

Ein in jeder Hinsicht noch heißerer Kandidat ist aber Bernard-Henri Lévy - ein Mann wie eine Handfeuerwaffel, in dessen Heimat Frankreich die Kaffeehauskultur mit einem angeblich nicht von Marie Antoinette stammenden Wort einst zur Blüte gelangte: „Das Volk hat kein Brot? Dann soll es Kuchen essen!“ Der intellektuelle Blusenaufreißer Lévy, dem seine Philosophenprinzenrolle bestens schmeckt, beansprucht für sich, das libysche Volk gerettet zu haben, und will nun auch noch das syrische retten. Tatsächlich hatte der Maßbürger im Mutanzug unter Einsatz seiner obersten Hemdknöpfe darauf gedrungen, dass Frankreich gegen Gaddafi in den Krieg zog. Er selbst konnte leider nicht mitkämpfen, weil der Stahlhelm seine Frisur ruiniert hätte.

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Jahrgang 1979, Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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