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Fraktur - Die Sprachglosse Inhalte

Die Worte von Politikern sind ausgerechnet dann ziemlich leer, wenn es um Inhalte geht.

© Foto Dorling Kindersley Flaschen, halbleer

Paradoxerweise sind die Worte von Politikern immer dann ziemlich leer, wenn es um Inhalte geht. Wenn nämlich Politiker, statt einfach mal innezuhalten, von Inhalten reden, reden sie oft nicht eigentlich von Inhalten, sondern nur davon, dass man von Inhalten reden sollte. Diese Inhaltetaktik unterscheidet von der Hinhaltetaktik nur das fehlende H: Man tut so, als rede man über Inhalte, um nicht über Personalfragen reden zu müssen, über die man doch viel lieber reden würde.

Timo Frasch Folgen:

So sagte etwa der FDP-Politiker Guido Westerwelle einige Tage vor der Landtagswahl in Niedersachsen: „In Wahlkämpfen geht es zuallererst um politische Inhalte und nicht um innerparteiliche Selbstbeschäftigung.“ Das war eine als Feststellung getarnte Forderung, hinter der sich eine Falschaussage verbarg. Schließlich ging es damals nur um Philipp Rösler und die von Heide Simonis inspirierte Frage: „Und was wird aus ihm?“

Etiketten auf leere Flaschen

Eben das fragt sich die SPD in Bezug auf Peer Steinbrück. Die Partei hatte den früheren Simonis-Minister gerade nicht aus politisch-inhaltlichen Gründen zum Kanzlerkandidaten gemacht, sondern wegen der zwischenzeitlichen Beliebtheit seiner Person. Das ist freilich so lange her, dass heute nicht einmal mehr Steinbrück über Steinbrück reden möchte. „Sollte es nicht vornehmlich um politische Inhalte gehen?“, sagte er daher in einem seiner jüngsten Interviews, als er mal wieder nicht auf den Gehalt, sondern auf das Gehalt, das des Kanzlers nämlich, angesprochen wurde.

Auch den politischen Gegner pflegt Steinbrück neuerdings bei den Inhalten zu packen: „Da werden viele Etiketten auf Flaschen geklebt, in denen nichts drin ist.“ Leere Flaschen, das weiß der Pinot-Grigio-Kenner, sind nicht nur in der Politik schlecht - es sei denn, man hat sie selbst ausgetrunken. Sein neuer Slogan, spätabends von seinen Beratern ersonnen, soll deshalb lauten: „Lieber neuer Wein in alten Bäuchen als alter Wein in neuen Schläuchen.“

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Quelle: F.A.Z.

 
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