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Fraktur - Die Sprachglosse Holzfällen

07.02.2012 ·  Es gab schon Grünen-Politiker, die Holzfäller mit Massenmördern verglichen haben. Das bekommt am Stuttgarter Hauptbahnhof eine ganz besondere Note.

Von Timo Frasch
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Holz wird bald so wertvoll sein, dass die Menschen, die ja selbst krumme Hölzer sind, mit dem Geld aus dem Holzverkauf ihre Holzöfen anfeuern werden.

Auch vor diesem Hintergrund ist das Aufbäumen einiger aus ganz besonderem Holz geschnitzter Stuttgarter Holzköpfe zu verstehen, die in ihrem Schlossgarten Eden vor lauter Bäumen der Erkenntnis von Gut und Böse den Wald nicht mehr sehen und daher wie die Axt im Walde gegen die jüngste Genehmigung des Eisenbahnbundesamtes für die geplanten Holzfällarbeiten holzen, ganz nach den etwas holzschnittartigen Devisen: „Gefällt gefällt nicht“ und: „Souverän ist, wer über das Ausnahmefällen entscheidet."

Dabei führt der Kampfbegriff „Holzfällen“, obschon ihn auch Thomas Bernhard verwendet, auf den Holzweg: zum einen, weil Holz nicht gefällt werden kann, sondern erst durch das Fällen respektive Fallen zum Holz wird. Zum anderen, weil der Begriff nur das Destruktive hervorhebt und mithin viel unpassender ist als der ebenfalls gebräuchliche Begriff „Holz machen“.

Aber auch das muss einer machen, schließlich ist nicht zu erwarten, dass die Bäume im Schlossgarten zu den Blättern sagen: „Wir gehen jetzt.“ Da es allerdings in Stuttgart - wie überall - zu viele gibt, die bei drei auf den Bäumen sind, und niemanden, der Bäume ausreißen könnte, wäre der einzige Vorschlag zur Verhinderung eines Kettensägenmassakers, einige der im Holzmachen geübten Biber, die in Vorpommern zur Plage geworden sind, nach Stuttgart umzusiedeln und zur Herstellung eines geeigneten Biberlebensraums das Grundwassermanagement einzubinden. So viel Vernunft sollte man walden lassen, schließlich leben wir nicht mehr auf den Bäumen.

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Jahrgang 1979, Redakteur in der Politik.

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