Home
http://www.faz.net/-gv3-73k4t
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Fraktur - Die Sprachglosse Guten Putsch!

Kubicki sagt niemals nie. Und nur ein Parteistreich der Mallorca-Fraktion kann Rösler jetzt noch retten.

© Zeichnung Wilhelm Busch Vergrößern Rösler und Kubicki

Zum Glück hat sich Westerwelle neulich in dieser Bar in Tel Aviv nicht mit Netanjahu getroffen. Sonst hieße es jetzt bestimmt, die beiden hätten einen Putsch gegen Ahmadinedschad geplant. Denn nichts scheint die Deutschen so hochzuputschen wie ein schönes Putsch-Gerücht.

Berthold  Kohler Folgen:  

Das liegt vielleicht daran, dass der letzte ordentliche Putsch schon eine Weile her ist und es seitdem ziemlich langweilig zugeht in Deutschland. Kanzler lassen sich einfach so abwählen, Generäle beantragen Altersteilzeit, Bundespräsidenten treten von selbst zurück. Nur in den Parteien strecken hin und wieder ein paar Putschisten bei einem Punsch die Köpfe zusammen, um dem jeweiligen aktuellen Vorsitzenden den finalen Punch zu verpassen. Manchmal tun sie aber auch nur so, um ihren Laden wieder interessanter zu machen und sich selbst wichtig.

Insofern erschien Kubicki jetzt auch noch von den letzten guten Geistern verlassen worden zu sein, als er beteuerte, es werde „unter meiner Beteiligung jedenfalls weder vor noch nach Niedersachsen einen Putsch geben“. So kommt die FDP doch nie auf fünf Prozent. Andererseits glaubt ihm das Dementi natürlich keiner, denn welcher Putschist kündigt seine Tat schon an? Kubicki sagte ja auch nicht „nie“, sondern nur „jedenfalls vor und nach Niedersachsen“. Dennoch sollte man hier einmal die Unschuldsvermutung für ihn und den Rest der Mallorca-Fraktion gelten lassen. Denn so, wie Kubicki über Rösler redet, hält er dessen Sturz nur für eine Frage der Zeit. Und warum sich die Hände schmutzig machen, wenn der niedersächsische Wähler die Sache ganz alleine erledigen kann?

Mehr zum Thema

Das wäre dann aber wieder so ein langweiliger Abgang, der nicht einmal in den Fußnoten der Geschichtsbücher Spuren hinterließe. Da hätte ein „Kubicki-Westerwelle-Putsch“ („Balearen-Pakt“ klänge auch nicht schlecht) doch einen ganz anderen Nachhall. Und selbst für Rösler wäre dann noch etwas drin. Ewigen Ruhm, siehe Kohl, erlangen Parteivorsitzende erst, wenn sie einen Aufstand ihrer Blüms, Geißlers und Kubickis niederschlagen. So gesehen kann man der FDP und ihrem Vorsitzenden also eigentlich nur eines wünschen: Guten Putsch!

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Fraktur Sag niemals nie

Aber ein Reservat für dieses Dreibuchstabenwort muss bleiben, auch wenn es die Polen nervt. Mehr Von Berthold Kohler

12.12.2014, 10:07 Uhr | Politik
Rope Jumping

Wem Bungee Jumping zu langweilig geworden ist, für den gibt es jetzt Rope Jumping. Dabei stürzen sich Wagemutige nicht an einem elastischen Seil in die Tiefe, sondern an einem, das zur Seite pendelt. Mehr

30.08.2014, 14:15 Uhr | Gesellschaft
Spanien Die Schwester des Königs wird angeklagt

Die spanische Infantin Cristina muss sich wegen mutmaßlichen Steuerbetrugs vor Gericht verantworten. Das entschied der zuständige Richter, obwohl der Staatsanwalt für eine Einstellung des Verfahrens plädierte. Mehr Von Paul Ingendaay, Madrid

22.12.2014, 10:08 Uhr | Gesellschaft
Gewalt bei Demonstrationen

Bei Demonstration aus Anlass des 41. Jahrestages des Pinochet-Putsches kam es zu Zusammenstößen. Tausende hatten zunächst friedlich demonstriert, dann flogen die Steine. Mehr

08.09.2014, 10:09 Uhr | Politik
Der Balance-Akt Sexismus am Glühweinstand

Hilfe, Diskriminierung lauert überall, auch im heimischen Fußball-Club! Ein Lehrstück über schwache Väter, gute Feen und ihre blöde Kuchenlisten. Mehr Von Bettina Weiguny

16.12.2014, 11:26 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 12.10.2012, 15:22 Uhr