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Fraktur - Die Sprachglosse Gottesglück

Dem Erzengel Erika sei Dank: Endlich wissen wir, welche Gnade uns armen Sündern in Gestalt von Angela Merkel zuteil geworden ist.

© IMAGO Vergrößern Danket dem Herrn!

Liebe Leserinnen und Leser, hören Sie auch schon die Engel singen? Psalter und Harfe, wacht auf! Himmlisch, dieser Satz, wie direkt aus dem Paradies: Es sei „ein Gottesglück“, Angela Merkel als Kanzlerin zu haben. Diese frohe Botschaft verkündete uns in einem ziemlich weltlichen Blatt wohlgemerkt nicht irgendeine Gender-Mainstream-Tussi der CDU, sondern der Erzengel des Konservatismus, Erika Steinbach. Ja, Sie haben richtig gelesen, die Walküre mit der flammenden Zunge, vor der sich sogar die Polen fürchten. Es geschehen doch noch Zeichen und Wunder.

Erquicket es nicht unser aller Seelen, wenn in einer christlichen Partei zum Judgement Day hin, also der nächsten Wahl, Wölfin und Lamm miteinander weiden und die Löwin Kreide, äh Stroh frisst wie das Rind? Wer von uns wollte es schon wagen, den ersten Stein auf eine spätberufene Merkel-Verehrerin zu werfen, auf eine Saula, die zur Paula wurde? Auch wir hätten bereits lange wissen können, welche Gnade uns armen Sündern im Zuge der Wiedervereinigung zuteil geworden ist, allein des Vornamens der Kanzlerin und ihrer Abstammung aus gottesfürchtigem Hause halber. Manchmal sieht man vor lauter Krisen in aller Welt (= Teufels Beitrag) Gottes Werk im Kanzleramt nicht mehr. Doch jetzt, da selbst der „Berliner Kreis“ den Balken im eigenen Auge bemerkte, der ihm das Bild von Frau Merkel verdunkelte, besteht Hoffnung, dass auch noch die verlorene Tochter Höhler zum wahren Glauben findet.

Wenn aber schon Frau Steinbach Frau Merkel für ein Gottesglück hält (da kommt auf die Theologie viel Arbeit zu), was mögen dann erst Kauder und Pofalla in der nach Forbes „mächtigsten Frau der Welt“ erkennen (als ob sie jetzt noch auf solche profane Titel angewiesen wäre)? Die Reinkarnation von Pallas Athene? Das wäre nicht vom Parteiprogramm gedeckt. Aber auch wer an den einen Gott glaubt, bleibt auf unbeantworteten Fragen sitzen. Wenn Gott schon einer unvollkommenen Gesellschaft wie der unsrigen ein Geschenk wie Angela Merkel macht: Wen erst schickt er dann zum Beispiel den Griechen? Gottes Wege sind wahrhaft unergründlich, die von God’s own party und ihren Zirkeln zunehmend aber auch.

Quelle: F.A.Z.

 
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