Home
http://www.faz.net/-gpf-72cgb
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Fraktur - Die Sprachglosse Gottesglück

Dem Erzengel Erika sei Dank: Endlich wissen wir, welche Gnade uns armen Sündern in Gestalt von Angela Merkel zuteil geworden ist.

© IMAGO Vergrößern Danket dem Herrn!

Liebe Leserinnen und Leser, hören Sie auch schon die Engel singen? Psalter und Harfe, wacht auf! Himmlisch, dieser Satz, wie direkt aus dem Paradies: Es sei „ein Gottesglück“, Angela Merkel als Kanzlerin zu haben. Diese frohe Botschaft verkündete uns in einem ziemlich weltlichen Blatt wohlgemerkt nicht irgendeine Gender-Mainstream-Tussi der CDU, sondern der Erzengel des Konservatismus, Erika Steinbach. Ja, Sie haben richtig gelesen, die Walküre mit der flammenden Zunge, vor der sich sogar die Polen fürchten. Es geschehen doch noch Zeichen und Wunder.

Berthold  Kohler Folgen:  

Erquicket es nicht unser aller Seelen, wenn in einer christlichen Partei zum Judgement Day hin, also der nächsten Wahl, Wölfin und Lamm miteinander weiden und die Löwin Kreide, äh Stroh frisst wie das Rind? Wer von uns wollte es schon wagen, den ersten Stein auf eine spätberufene Merkel-Verehrerin zu werfen, auf eine Saula, die zur Paula wurde? Auch wir hätten bereits lange wissen können, welche Gnade uns armen Sündern im Zuge der Wiedervereinigung zuteil geworden ist, allein des Vornamens der Kanzlerin und ihrer Abstammung aus gottesfürchtigem Hause halber. Manchmal sieht man vor lauter Krisen in aller Welt (= Teufels Beitrag) Gottes Werk im Kanzleramt nicht mehr. Doch jetzt, da selbst der „Berliner Kreis“ den Balken im eigenen Auge bemerkte, der ihm das Bild von Frau Merkel verdunkelte, besteht Hoffnung, dass auch noch die verlorene Tochter Höhler zum wahren Glauben findet.

Wenn aber schon Frau Steinbach Frau Merkel für ein Gottesglück hält (da kommt auf die Theologie viel Arbeit zu), was mögen dann erst Kauder und Pofalla in der nach Forbes „mächtigsten Frau der Welt“ erkennen (als ob sie jetzt noch auf solche profane Titel angewiesen wäre)? Die Reinkarnation von Pallas Athene? Das wäre nicht vom Parteiprogramm gedeckt. Aber auch wer an den einen Gott glaubt, bleibt auf unbeantworteten Fragen sitzen. Wenn Gott schon einer unvollkommenen Gesellschaft wie der unsrigen ein Geschenk wie Angela Merkel macht: Wen erst schickt er dann zum Beispiel den Griechen? Gottes Wege sind wahrhaft unergründlich, die von God’s own party und ihren Zirkeln zunehmend aber auch.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Genozid an den Armeniern Ein Wort für die Erinnerung

Der Bundestag hat am Freitag des Völkermords an den Armeniern gedacht. Dass es tatsächlich ein Genozid war, darüber gab es einen überparteilichen Konsens. Auch die deutlichsten Worte zu der Causa kamen aus dem Parlament. Mehr Von Günter Bannas, Berlin

24.04.2015, 16:40 Uhr | Politik
Ukraine-Krise Merkel nimmt Gespräch mit Putin auf

Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatschef Francois Hollande sind zu Gesprächen mit Russlands Präsident Putin in Moskau eingetroffen. Ziel der diplomatischen Initiative ist ein Waffenstillstand im Osten der Ukraine. Mehr

07.02.2015, 10:17 Uhr | Politik
Debatte um Völkermord Hinter vorgehaltener Hand

Die Bundesregierung will das Massaker an Armeniern nicht Völkermord nennen – auch wenn die meisten Bundestagsabgeordneten das längst anders handhaben. Mehr Von Günter Bannas, Berlin

19.04.2015, 18:47 Uhr | Politik
Münchner Sicherheitskonferenz Merkel: Militärisch ist die Krise nicht zu lösen

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die Erwartung gedämpft, dass es in den Verhandlungen mit Russland in der Ukraine-Krise bald einen Durchbruch geben könnte. Die Kanzlerin mahnte Russland erneut, das Völkerrecht einzuhalten. Mehr

08.02.2015, 10:09 Uhr | Politik
Livestream zur Trauerfeier Deutschland trauert um die Germanwings-Opfer

Im Kölner Dom wird mit einer großen Trauerfeier der Toten des Germanwings-Absturzes gedacht. Auch Bundespräsident Gauck und Kanzlerin Merkel kommen. 150 Kerzen werden angezündet – eine für jedes Todesopfer. Mehr

17.04.2015, 12:05 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 24.08.2012, 15:02 Uhr