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Fraktur - Die Sprachglosse : Gnade uns Grzimek!

Unforgiven: Als amerikanische Präsidenten noch kein Erbarmen mit der Tierwelt im Rosengarten des Weißen Hauses hatten. Bild: Wilhelm Busch

Kehret um und lernt von Obama: Die Kanzlerin muss ihre Weihnachtsgans begnadigen, Seehofer seinen Karpfen und Steinbrück eine Currywurst.

          Früher, als noch die Götter verrückt waren, dafür aber die Menschen halbwegs normal, opferten die Menschen den Göttern Tiere, denn sie wussten ja, dass die da oben plemplem sind und darüber hinaus nicht auf ihre Cholesterinwerte achten müssen. Nur die Maya waren so irre und opferten ihre Nachbarn, freilich auch nur so lange, bis sie sich selbst ausgerottet hatten.

          Heutzutage, da aufgeklärte und erleuchtete Menschen wie Barack Obama an die Stelle der Götter getreten sind, werden aber auch Tiere nicht mehr hingerichtet, sondern begnadigt. Der First Truthahn etwa kommt nicht mehr in den Ofen, sondern in ein Seniorenheim, wo er zusammen mit seinen betagten Vorgängern bezeugt, dass ein amerikanischer Präsident keiner Fliege etwas zuleide tun kann, geschweige denn einem Vogel. Man kann ja auch wirklich nicht sagen, Obama schieße mit Drohnen auf Spatzen.

          Leider hat sich von den vielen wunderbaren amerikanischen Sitten ausgerechnet diese noch nicht in Deutschland durchgesetzt. Man stelle sich nur einmal vor, wie schlagartig sich das deutsch-polnische Verhältnis verbesserte, wenn die Bundeskanzlerin ihre Weihnachtsgans mit dem Leben davonkommen ließe, wenigstens bis Dreikönig. Oder wie sich das Verhältnis von Tschechen und Sudetendeutschen erwärmte, haute Seehofer an Heiligabend seinen Karpfen nicht in die Pfanne, sondern in die Isar. Selbst noch Steinbrück käme aus seinem Tief heraus, wenn er auf seiner Tournee durch die deutschen Frittenbuden eine Currywurst (also ein Schwein in einem höheren Aggregatzustand) verschonte und darüber in den Städtischen Schlachthöfen Bochum einen Vortrag hielte; das Honorar müsste er natürlich dem Tierschutzbund spenden.

          Denn Schonen ist in jedem Fall seliger als Schlachten. Der begnadete Problembärenjäger Stoiber bereut bestimmt noch heute, dass er Bruno hinterrücks niederschießen ließ wie den Girgl Jennerwein; das war auch der Anfang von seinem eigenen Ende. Demos, der Gott, den die deutschen Politiker gleich nach Obama anbeten, will kein Blut mehr sehen, jedenfalls nicht das von Tieren. Gnade uns Grzimek, wenn die in Berlin das nicht endlich begreifen!

          Quelle: F.A.Z.

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