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Fraktur - Die Sprachglosse Geschlossen offen

 ·  Die Parteien rufen ihre Mitglieder zur Geschlossenheit auf. Denn es geht ja darum, für alles offen zu sein.

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© ullstein bild Vergrößern Geschlossene Gesellschaft. Oder doch die für alles offene?

Zu Geschlossenheit wird naturgemäß in denjenigen Parteien aufgerufen, in denen ganz viel offen ist: Wunden, Rechnungen, die Zukunft, Polen. Heißt das: Geschlossen ist gut, offen ist schlecht? Diese geschlossene Frage muss zunächst offen bleiben, denn so offen liegen die Dinge leider nicht da. Beispiel: Polen. „Jetzt ist Polen offen“ bedeutete im 18. Jahrhundert, als das Sprichwort offenbar entstand, etwas ganz anderes als im Wendejahr 1989 oder 2007, als Polen dem Schengener Abkommen beitrat.

Anderes Beispiel, auch verwirrend: Fußball. Ein Spiel ist da paradoxerweise so lange offen, wie es keinem Spieler gelingt, das Spiel zu öffnen, weil die Räume zu und die Abwehrreihen geschlossen sind. Und noch ein weiteres Beispiel: geschlossene Gesellschaft. Sie ist nur gut für den, der drin ist, aber schlecht für den, der draußen steht. Sollte man jedenfalls meinen, man denke nur an den Film „Eyes wide shut“.

Aber auch das stimmt nicht. Bei Sartre etwa ist die geschlossene Gesellschaft im gleichnamigen Drama die Hölle, in der sich die Menschen gegenseitig wie Parteifreunde behandeln. Bei Karl Popper hingegen ist die geschlossene Gesellschaft mit geschlossenem Weltbild der „Himmel auf Erden“, aus dem man allerdings nicht mehr rauskommt. Also auch die Hölle.

Popper ist ein Hausheiliger der FDP. Folglich ermunterte deren Chef die deutsche Gesellschaft kürzlich zu Offenheit gegenüber allem Möglichen, offene Beziehungen eingeschlossen. Ausgerechnet seine Partei schloss er aber davon aus, indem er sie zu „Geschlossenheit“ aufrief - im Kampf gegen die Feinde der offenen Gesellschaft. Ob das hilft, ist fraglich. Schließlich heißt es nicht: „entwaffnende Geschlossenheit“, sondern „entwaffnende Offenheit“. Der Ausgang ist offen. Das heißt auch: Man kann jederzeit raus.

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