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Fraktur - Die Sprachglosse Gehörtwerden

 ·  Niemandem hörig, aber doch ganz Ohr für die Signale des Volkes sein, das wollen Politiker. Was die „Politik des Gehörtwerdens“ sein soll, bleibt dennoch ein Rätsel.

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Wenn der baden-württembergische Ministerpräsident Kretschmann wieder einmal mit seiner „Politik des Gehörtwerdens“ - nicht zu verwechseln mit der „Politik des Gehörntwerdens“, aber artverwandt mit der „Politik des Zuhörens und Gehörtwerdens“ (Jürgen Trittin), der „Kultur des Hinsehens“ (Angela Merkel), der „Hinschaukultur“ (Edmund Stoiber), der „Kultur des Sichvermittelns“ (Gunda Röstel) und der „Kultur des Sicheinsetzens“ (Kirche) - so sehr aufhorchen lässt, dass einem Hören und Sehen vergeht, ist das insofern ungehörig, als es sich eigentlich gehörte, sich eben nicht mit einer „Politik des Gehörtwerdens“, die naturgemäß nichts anderes sein kann als eine „Politik des Herumbrüllens“, sondern mit einer „Politik des Gehörwerdens“ Gehör und den dazugehörigen gehörigen Respekt zu verschaffen, jedenfalls dann, wenn es sich in den Ohren der Bürger so anhören soll, als wolle man als Politiker zwar niemandem hörig, aber doch so sehr ganz Ohr für die Signale der Völker und des Volkes sein, wie es bisher wenigstens in physischer Hinsicht nur dem früheren Bundesaußenminister Genscher gelungen ist, der zwar das große Gehörlos gezogen hatte, jedoch die unerhörte Frage, die Kretschmanns „Politik des Gehörtwerdens“ aufwirft, wem nämlich das Gehör, dieses laut Thomas Bernhard „philosophischste aller Sinnesorgane“, gehöre, dem, der Gehör schenkt, oder dem, dem Gehör geschenkt wird, nach allem, was man so hört, leider nie zu Gehör gebracht hat.

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Jahrgang 1979, Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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