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Veröffentlicht: 16.08.2013, 16:40 Uhr

Fraktur - Die Sprachglosse Ganz schön abgezockt

Die Abzocke ist immer und überall. Doch in Hessen soll jetzt Schluss mit ihr sein. Vermutlich aber nur bis zur Wahl.

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© Wilhelm Busch Ganz abgezockter Abzocker: Vater Staat kann’s am besten

Gehen Sie bloß nicht ins Internet. Denn wie leicht gerät man dort mit den Fingern in eine Suchmaschine, und dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Sie das Wort „Abzocke“ eingeben, weil Ihnen nach der Online-Bestellung Ihrer Super-Energiespar-Pantoffeln so ein Gedanke gekommen ist. Dieses Suchergebnis aber wollen Sie nicht wirklich sehen. Denn es zeigt uns, dass die Abzocke nicht nur im Netz beheimatet ist, sondern immer und überall auch in der wirklichen Welt.

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Wir werden abgezockt von Anwälten, bei den Strompreisen, im Altersheim, an der Supermarktkasse, vom Bestatter, von den Tschechen und sogar noch beim Torwandschießen. Der abgebrühteste Abzocker aber ist natürlich Vater Staat, der uns das Geld aus den Taschen zieht, wo er nur kann, und das auch noch Fürsorge nennt. Die Grünen finden das so gut, dass sie uns im Wahlkampf noch mehr staatliche Abzocke versprochen haben, weil es auch in diesem Land offenbar genug Wähler gibt, die glauben, abgezockt würden immer nur die Besserabzuzockenden.

Doch da hat diese Zockerpartei vielleicht zu hoch gepokert. Wenigstens in Hessen regt sich Widerstand gegen die Ausbreitung des Abzockens, und das sogar in Gestalt eines ranghohen Politikers. Florian Rentsch sagt, es sei jetzt genug mit der Abzocke, wobei er zwar noch nicht Spitzensteuersatz und Soli meint, aber immerhin schon einmal die moderne Wegelagerei mittels der Radarfalle. Rentsch, hauptberuflich hessischer Verkehrs- und Wirtschaftsminister, lässt - gegen den erbitterten Widerstand der, na klar, Grünen - noch schnell vor der Wahl Schilder aufstellen, die vor den ziemlich teuren Blitzern warnen, mit denen unsere gastfreundlichen Kommunen Begrüßungsfotos von ihren Besuchern schießen.

Der Vorstoß zeigt, wie ernst die Lage der FDP und ihres Koalitionspartners CDU in Hessen ist. Denn den Verdienstausfall könnten die chronisch klammen Städte und Gemeinden natürlich nur durch das Aufstellen neuer Radaranlagen kompensieren, weswegen Rentsch noch mehr Warnschilder anbringen lassen müsste und so weiter. Das nennt man eine föderale Rüstungsspirale, die bekannterweise viel Geld kostet. Zur Not müsste man sie über eine Sondersteuer finanzieren. Alles hat eben seinen Preis, auch der Kampf des Staates gegen die staatliche Abzocke. Ganz schön abgezockt, das Ganze.

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Quelle: F.A.Z.

 

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