Gymnásion, das war noch ein Wort! Und ein Ort! Die nackte Jugend übte dort, ohne Stress, ohne Tort! Dagegen war es keine so gute Idee, die verstümmelte Version dieser Institution wie die achte Generation eines auch nach Saudi-Arabien exportierten Sturmgewehrs von Heckler & Koch zu nennen: G8. Wie gerne würden Eltern Normalbegabter damit nur Gipfeltreffen in Seebädern verbinden - und nicht die Niederungen des Hausaufgabenalltags, der immer mehr zum Haus-Aufgabe-Alltag wird, oder die Armutszeugnisse, die ihre Gottesteilchen zuletzt wieder ausgeteilt bekamen!
Gibt es - abgesehen vom Schreddern - Hoffnung? Vielleicht. Für Bayern etwa, wo einst das G8 wie der Mond vom Himmel fiel, hat Ministerpräsident Seehofer zwar versichert, er werde daran festhalten. Anders als die Kanzlerin hat er aber nicht dazu gesagt: „solange ich lebe“. Die SPD hat ihm schon bedeutet, in welche Richtung der von ihm erkannte Optimierungsbedarf führen könnte, und in Anlehnung an ein „Europa der zwei Geschwindigkeiten“ ein „Abitur der zwei Geschwindigkeiten“ verlangt.
Das hört sich zwar besser an als G8, hat aber in der EU trotz aller Gipfel auch nichts gebracht. Besser ist daher ein „Abitur im eigenen Takt“, das ein baden-württembergisches „Schullabor“ vorgeschlagen hat. Demnach sollen Schüler auch in der Abizeit bei Temperaturen ab 25 Grad der Schule fernbleiben, ins Seebad gehen und so weit aufs offene Meer hinausschwimmen dürfen wie sie wollen.