Home
http://www.faz.net/-gv3-73qeg
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Fraktur - Die Sprachglosse Führung

Westerwelle wechselt auf die Schweinsteiger-Position, Friedrich macht die Räume dicht, Schavan kopiert Reus: Wie wir von einer Lachnummer wieder zur führenden Fußball-Nation werden.

© picture alliance / dpa Vergrößern Ohne An- und Abführung

Eine eher rührende als führende deutsche Fußballmannschaft hat jüngst bewiesen, dass man ohne Führung zwar in Führung gehen, diese aber nur mit Führung verteidigen kann. Leider verstehen die Deutschen unter Führung, zumal unter guter, offenbar das, was auch Häftlinge darunter verstehen, wenn sie einfach nur raus wollen. Das weiß man schon seit der EM, als die Italiener, bis dahin eher als Verführer denn als Führer bekannt, geführt und auch gewonnen haben. Wobei: Führer soll man ja nicht sagen, allenfalls mit An- und Abführung, das würde sonst zu weit führen. Etwas besser ist da schon: Anführer, was sich allerdings auf Aufrührer reimt. Viel besser: Häuptling (wobei es auch Indianer geben muss, wie Hoeneß sagt). Am besten, weil am politisch korrektesten: Leitwolf, Silberrücken, Jeremies.

Timo Frasch Folgen:    

Daran fehlt es Deutschland also. Ganz Deutschland? Nein. Angela Merkel, die am Dienstag besser auf der Bank als auf der Tribüne Platz genommen hätte, weiß, dass das nicht stimmt. Sie hat schließlich einen Außenminister, der den Satz „Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, gibt es einen, der die Sache regelt“ verinnerlicht hat. Er sollte daher im nächsten Spiel die Schweinsteiger-Position übernehmen. Friedrich, als Innenminister bisher der Badstuber der Politik, wäre wiederum prädestiniert dafür, die Räume so dicht zu machen wie die deutsche Grenze, während sich Ramsauer um Lauf- und Passwege kümmern könnte.

De Maizière hat oft genug gezeigt, dass er überall einsetzbar ist, wohingegen für Frau Leutheusser-Schnarrenberger nur die Özil-Position in Frage kommt, auf der sie alle Freiheiten hätte. Für die bissige Ursula von der Leyen könnte man wieder die Manndeckung einführen. Frau Schavan könnte versuchen, Reus zu kopieren. Und Bahr, der sich mit dem Wundliegen auskennt, sollte sich der Gomez-Position annehmen. Altmaier schließlich ist eher ein Mann für die Bank, der aber, wenn er reinkommt, jederzeit für die Wende sorgen kann.

Bleiben neben den Trainern Merkel (Angela, nicht Max) und Schäuble die Röslers, Niebels, Aigners, Schröders und Pofallas. Für die wird es eng. Allenfalls die medizinische Abteilung könnte etwas für den Augenarzt Rösler sein. Frau Aigner dürfte als Ernährungsberaterin durchgehen, Kristina Schröder als Spielerfrau. Pofalla gäbe sicher einen guten Ultra ab, und Niebel könnte als Tourist zu den schönsten Auslandsreisen der Nationalmannschaft mitfahren. Sie alle könnten aber auch mit Lahm tauschen. Zumindest hat sich der Spielführer mit seinen Ausführungen nach dem Dienstagsdesaster eher fürs Kabinett als für den Platz empfohlen.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Maschmeyer und Schröder Beim Geld beginnt die Freundschaft

Der frühere AWD-Chef Carsten Maschmeyer hat Gerhard Schröder die Rechte an dessen Memoiren abgekauft. Für zwei Millionen Euro. Dahinter steht gnadenloses Netzwerken und ein gutes Gespür für politische Karrieren - unabhängig vom Parteibuch. Mehr Von Eckart Lohse, Berlin

13.11.2014, 19:17 Uhr | Politik
Krise in der Ukraine Klinkenputzerei

Nach Gesprächen in Kiew traf Frank-Walter Steinmeier den russischen Außenminister Lawrow und überraschend auch den russischen Präsidenten Putin. Das Gespräch sei ernsthaft und offen verlaufen, hieß es anschließend. Mehr Von Friedrich Schmidt, Moskau

18.11.2014, 23:30 Uhr | Politik
Maschmeyer und Schröder Millionen-Deal per Handschlag

Gerhard Schröders Verhältnis zu dem Unternehmer Carsten Maschmeyer war weit enger als bisher bekannt. So eng, dass Maschmeyer dem früheren SPD-Kanzler ohne Vertrag zwei Millionen Euro für seine Memoiren zusagte. Mehr

14.11.2014, 09:32 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 19.10.2012, 15:21 Uhr