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Veröffentlicht: 07.02.2013, 11:42 Uhr

Fraktur - Die Sprachglosse Freiwillige vor zum Fremdschämen!

Wer erweist nun Frau Schavan den Freundschaftsdienst, den sie einst zu Guttenberg erwies?

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© Wilhelm Busch Schäm dich!

Früher war die Sache mit der Scham viel besser geregelt. Da wusste man genau, wann man sich schämen sollte: wenn die Oma oder die Lehrerin es sagte. Dann ging man hin und schämte sich, gewöhnlich ohne Einsicht. Danach war aber meistens alles wieder gut, bis auf die deutsche Geschichte natürlich.

Berthold  Kohler Folgen:

Es soll sogar Fälle gegeben haben, in denen Leute sich von selbst schämten. Auch das ist seit der Abschaffung des Schamgefühls, die ganz zufällig mit der Einführung des Privatfernsehens zusammenfällt, nicht mehr möglich. Doch gibt es offenbar immer noch Ewiggestrige, die den Zeiten nachtrauern, in denen das Internet noch niemanden  dazu zwang, die Welt mit Fotos von eigenen Körperteilen zu bereichern, selbst freisinnige Freiherrn nicht. Für diese verschämte Schar hat die Politik das Fremdschämen auf den Markt gebracht.

Der Fremdschämer darf keine Doktorarbeit geschrieben haben 

Sehr beliebt ist freilich auch das Genieren für andere nicht. So dauerte es ziemlich lange, bis jemand dazu bereit war, sich selbstlos für zu Guttenberg zu schämen, und das nicht nur klammheimlich. Am Ende konnte sich die Kanzlerin wieder nur auf ihre getreue Annette verlassen. Doch wer erweist nun Frau Schavan diesen Freundschaftsdienst, jetzt, da sie selbst seiner so dringend bedarf? Weil doch wenigstens unter Christenmenschen noch das Gebot gelten sollte: Schäme dich für deinen Nächsten wie für dich selbst!

So leicht wird sich niemand finden, der dieser Aufgabe gewachsen ist. Auf keinen Fall darf der Fremdschämer eine Doktorarbeit geschrieben haben, sonst wissen wir schon, wie das nie endet. Dann darf er sich auch nicht zu viel schämen, denn es geht ja nur um ein paar uralte Flüchtigkeitsfehler. Zudem weiß man seit der Causa Guttenberg nur zu genau, wer in solchen Fällen die Auftraggeberin des Fremdschämens ist. Im Schicksalswahljahr 2013 soll jedoch keinesfalls der Eindruck entstehen, die Kanzlerin rücke auch nur um Haaresbreite von ihrer besten politischen Freundin ab, die sie schließlich nicht als wissenschaftliche Hilfskraft eingestellt hat, sondern als Wissenschaftsministerin. Oder gar der Verdacht aufkommen, Frau Merkel feuere jetzt, da es in der CDU keine feuerbaren Männer mehr gibt, eben ihr Girlscamp.

Daher ergeht an alle unbescholtenen Bürger, die sich schon einmal für Frau Schavan schämen wollten, sich bisher aber genierten, das laut zu sagen, der Aufruf: Freiwillige vor zum Fremdschämen! Melden Sie sich im Kanzleramt! Zur Not werden auch Leute umgeschult, die sich bisher nur für Peer Steinbrück schämten, Führungspersonal der SPD natürlich ausgenommen.

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Quelle: F.A.Z.

 

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