Home
http://www.faz.net/-gv3-720td
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Fraktur - Die Sprachglosse Energiewende

Auch wenn sie uns Deutschen selbst nicht gelingt: Zumindest der Begriff „Energiewende“ ist schon jetzt Exportschlager.

© dpa Vergrößern Much could go wrong.

Die Energiewende war von Anfang an nicht nur als nationales Projekt gedacht. Zwar fielen die ersten Reaktionen der ungefragt unter Windstrom gesetzten Nachbarländer nicht ganz so begeistert aus wie erwartet. Doch wurde deutschen Politikern und Managern auf internationalen Konferenzen immerhin kräftig auf die Schulter geklopft: „Wenn einer das schafft, dann ihr Deutschen.“ Die Betonung lag natürlich auf dem Wenn.

Andreas Mihm Folgen:  

Inzwischen ist auch im Land der Energiewende die Freude über die Energiewende nicht mehr ganz so groß, was nur an den finanziellen Folgen liegen kann. Dafür fällt der technologisch-industrielle Schub viel kleiner aus als vorhergesagt. Auf der Solarindustrie liegt ein Schatten. Auch vom deutschen Windmachen (der Produktion von Windturbinen) will die Welt immer weniger wissen.

Doch kann uns das nicht aufhalten. Werden Sonnenkollektoren und Windradrotoren nicht nachgefragt, exportieren wir ebendas Konzept: Energiewende, made in Germany. Bundesumweltminister Altmaier ließ den Begriff in seiner ansonsten in tadellosem Englisch gehaltenen Rede auf dem Umweltgipfel in Rio auf die Menschheit los, offenbar nicht ohne Erfolg. Die britische Zeitschrift „Economist“ widmete der Energiewende gleich fünf Spalten: „Much could go wrong“. Konsequent, wie die Briten sind (man denke nur an „Herr Hitler“), benutzte die Redaktion durchgängig das Wort „Energiewende“; „Germany’s energy transformation“ ist ja auch nicht wirklich der Brüller. Hin und wieder drücken wir doch noch der Welt unseren Stempel auf. Exportschlager waren auch schon „kindergarden“ und „le Waldsterben“. Der absolute Renner bleibt freilich „the German Angst“, ohne die es auch mit der Energiewende nichts geworden wäre.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Bundesregierung Koalition vereinbart Industrie-Aktionsplan

Der Koalitionsausschuss der Bundesregierung hat sich auf einen Aktionsplan für bessere Rahmenbedingungen in der Industrie, bei der digitalen Infrastruktur und in der Energiewende geeinigt. Trotz einiger Unstimmigkeiten lautete das Signal der Parteien: Geschlossenheit. Mehr

07.10.2014, 23:18 Uhr | Politik
Jordanien verstärkt Grenzschutz zum Irak.Kerry in Bagdad

Nach Geländegewinnen der Isis im Irak sind die Nachbarländer um ihre Sicherheit besorgt. Jordanien verstärkt seinen Grenzschutz und hofft auf die Vereinigten Staaten. Deren Außenminister Kerry besucht derzeit überraschend Bagdad. Mehr

23.06.2014, 14:55 Uhr | Politik
Energiewende Ökostromumlage sinkt erstmals - leicht

Die Energiewende hat die Ökostromumlage gewaltig in die Höhe getrieben. Nun soll sie erstmals sinken. Aufs Jahr hochgerechnet fällt die Entlastung aber sehr gering aus. Mehr

14.10.2014, 17:39 Uhr | Wirtschaft
Dobrindt präsentiert Mautpläne

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat seine lange erwarteten Pläne für eine Pkw-Maut vorgestellt. Die Abgabe soll nicht nur auf deutschen Autobahnen gelten, sondern auch auf allen anderen Bundes-, Landes- und Kommunalstraßen. Mehr

07.07.2014, 15:35 Uhr | Politik
Fraktur Ohne Mampf kein Kampf

Warum wir die Gulaschkanone in Hummushaubitze umbenennen müssen. Mehr Von Berthold Kohler

10.10.2014, 11:42 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 10.08.2012, 16:40 Uhr