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Fraktur - Die Sprachglosse : Energiewende

Much could go wrong. Bild: dpa

Auch wenn sie uns Deutschen selbst nicht gelingt: Zumindest der Begriff „Energiewende“ ist schon jetzt Exportschlager.

          Die Energiewende war von Anfang an nicht nur als nationales Projekt gedacht. Zwar fielen die ersten Reaktionen der ungefragt unter Windstrom gesetzten Nachbarländer nicht ganz so begeistert aus wie erwartet. Doch wurde deutschen Politikern und Managern auf internationalen Konferenzen immerhin kräftig auf die Schulter geklopft: „Wenn einer das schafft, dann ihr Deutschen.“ Die Betonung lag natürlich auf dem Wenn.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Inzwischen ist auch im Land der Energiewende die Freude über die Energiewende nicht mehr ganz so groß, was nur an den finanziellen Folgen liegen kann. Dafür fällt der technologisch-industrielle Schub viel kleiner aus als vorhergesagt. Auf der Solarindustrie liegt ein Schatten. Auch vom deutschen Windmachen (der Produktion von Windturbinen) will die Welt immer weniger wissen.

          Doch kann uns das nicht aufhalten. Werden Sonnenkollektoren und Windradrotoren nicht nachgefragt, exportieren wir ebendas Konzept: Energiewende, made in Germany. Bundesumweltminister Altmaier ließ den Begriff in seiner ansonsten in tadellosem Englisch gehaltenen Rede auf dem Umweltgipfel in Rio auf die Menschheit los, offenbar nicht ohne Erfolg. Die britische Zeitschrift „Economist“ widmete der Energiewende gleich fünf Spalten: „Much could go wrong“. Konsequent, wie die Briten sind (man denke nur an „Herr Hitler“), benutzte die Redaktion durchgängig das Wort „Energiewende“; „Germany’s energy transformation“ ist ja auch nicht wirklich der Brüller. Hin und wieder drücken wir doch noch der Welt unseren Stempel auf. Exportschlager waren auch schon „kindergarden“ und „le Waldsterben“. Der absolute Renner bleibt freilich „the German Angst“, ohne die es auch mit der Energiewende nichts geworden wäre.

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