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Fraktur - Die Sprachglosse Dienen

Auch in der Politik will niemand mehr bedient werden, alle wollen nur noch demütigst dienen. Denn darin liegt die wahre Macht.

© Interfoto Die Dialektik des Dienstmannes: Ein Hegelianer im Himmel

Der Philosoph Hegel, der nichts Besseres wusste, als sich mit der Dialektik von Herrschen und Dienen zu beschäftigen, hätte dieser Tage, wenn er nicht so früh gestorben wäre, aufmerksam nach Nepal geblickt: Dort ist es zu einer Art Schlägerei zwischen westlichen Bergsteigern und Sherpas gekommen. Kern des Konflikts auf 7000 Metern Höhe war, vereinfacht gesagt, dass die, die es gewohnt sind zu dienen, es nicht ertragen können, nicht mehr dienen zu sollen, und nicht verstehen, warum die feinen Herren nicht mehr Herren über andere, sondern nur noch über sich selbst sein wollen.

Timo Frasch Folgen:

Auch in der Politik gibt es Sherpas, auf EU-Gipfeln zum Beispiel. Auch dort sind das die Leute, die das Gepäck, Akten zumeist, tragen und sonstige Hilfsdienste leisten. Und auch dort droht die Lage zu eskalieren. Denn auch in der Politik will niemand mehr bedient werden. „Demut“ (Annette Schavan, Gerda Hasselfeldt) ist das Gebot der Stunde. Deshalb bedient man sich entweder selbst (Georg Schmid et al.) oder man dient - sich nach oben zum Beispiel.

Angefangen hat es schon mit Friedrich II., der erster Diener des Staates sein wollte. Daran angeknüpft hat einige Zeit später Angela Merkel, als sie 2005 im Wahlkampf sagte, sie wolle als Kanzlerin „Deutschland dienen“. Sodann hat Verteidigungsminister de Maizière das Dienen als „nobel“ geadelt. Und zuletzt kam auch noch Sigmar Gabriel um die Ecke und ließ vor dem SPD-Parteitag verbreiten, er wolle eine „dienende Rede“ halten.

Alles nichts gegen Uli Hoeneß, den „größten Diener des FC Bayern“ (Franz Beckenbauer), den „Vater Teresa vom Tegernsee, den Nelson Mandela von der Säbener Straße“ (Kalle Rummenigge), den heiligen Johann der Schlachthöfe (Bert Brecht), der sich noch an jedem Gründonnerstag zu den Bayern-Ersatzspielern hinuntergebeugt und ihnen die Fußballschuhe eingefettet hat. „Wahre Macht liegt im Dienen“, hat der neue Papst gesagt. Servi et impera!

Wer wahre Macht will, dem bleibt also gar nichts anderes übrig als den Diener zu machen. Nur: Vor wem? Kann man zwei Herren gleichzeitig dienen, Gott und dem Mammon? Dem FC Bayern und der Börse? 80 Millionen Deutschen und sich selbst?

Bei Hoeneß hat es zur Enttäuschung von Frau Merkel nicht geklappt. Der einstige Münchner im Himmel ist nun, wie er selbst gegenüber „hallomuenchen.de“ sagte, in der Hölle gelandet. „Lieber in der Hölle herrschen als im Himmel dienen“, hat dazu John Milton in seinem epischen Gedicht „Paradise lost“ geschrieben. Für einen Mann wie Hoeneß, der demnächst den Gipfelsieg am Olymp einfahren wollte, ist das freilich kein Trost. Bleibt, wie für viele Gefallene, mal wieder nur die Bibel, etwa Matthäus 4,8 f.:

„Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.“

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Quelle: F.A.Z.

 
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