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Veröffentlicht: 08.03.2013, 15:49 Uhr

Fraktur - Die Sprachglosse Die Niebel-Kappe

Erst die Mütze macht den Mann: Wie man sich als Politiker treu bleibt und dabei auch noch alte Klamotten los wird.

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© Wilhelm Busch Schwer eins auf die Mütze: Vorläufer der Niebel-Kappe

Erinnernswerte Kopfbedeckungen haben in Deutschland schon viele ranghohe Persönlichkeiten getragen, man denke nur an Prinz Heinrich oder Wolfgang Thierse, wobei im letzteren Fall immer schwer zu entscheiden war, wo das Haar aufhörte und die Baskenmütze anfing. Auch Helmut Schmidt setzte sich mit dem Modell „Elblotse“ bewusst von der barhäuptigen Masse ab - aber nicht zu sehr vom einzigen anderen großen Lotsen, der sich mit ihm messen konnte, also Bismarck. Bis einschließlich Kiesinger griffen deutsche Kanzler sogar noch zum richtigen Hut, aber dann war es vorbei mit der großen Koalition der Oben-nie-ohne-Staatsmänner.

Berthold  Kohler Folgen:

Heutzutage gilt alles andere als das Tragen des Thierse-Tellers oder einer Baseballkappe - sogar der emeritierte Papst wurde kürzlich mit einer solchen gesehen - in Politikerkreisen schon als Mutprobe. Der Fallschirmjäger und Einzelkämpfer unter den deutschen Ministern jedenfalls sagt, er habe mit dem Aufsetzen seiner Bundeswehrmütze „provozieren“ und sich „selbst treu bleiben“ wollen. Und wer könnte besser als Dirk Niebel bezeugen, dass man in diesem Land schon wegen einer Mütze schwer eins auf dieselbige bekommt, wenn diese nicht den Vorschriften der politischen Korrektheit entspricht? Bei nicht genehmen Meinungen wird man nach kurzer Haarspalterei gleich für nicht richtig im Kopf erklärt. Und an der Mütze eines Mannes lässt sich ja leicht erkennen, was in seinem Hirn vorgeht.

Die Republik stand kurz vor dem Kappen-Putsch

Die Republik stand deshalb schon kurz vor einem Kappen-Putsch: Ein Entwicklungshilfeminister, der auf Reisen kein Hütchen aus fair gehandeltem Stroh trägt, sondern ein Symbol des aus preußischem Ungeist gespeisten Nachkriegsmilitarismus in der BRD! Zum Glück haben Niebels ungediente Kritiker nicht gemerkt, dass er sich auch noch ein Hüatei der Gebirgstruppe ausgesucht hatte. Wir wollen hier ja nicht aufzählen, wo die 1. Gebirgs-Division überall dabei war. Kein Wunder jedenfalls, dass die Mütze am Schluss nur noch in Fetzen an ihm herunterhing.

Nun hat Niebel sie nach jahrelangem heldenhaften Tragen dem Haus der Geschichte übergeben, auf dass sein Kampf um die Treue zu sich selbst dort auch angemessen gewürdigt werde. In diesem Museum werden ja auch schon andere Kleidungsstücke von historischer Bedeutung ausgestellt, die Strickjacke Helmut Kohls etwa und die ausgelatschten Turnschuhe von Joseph Fischer. Freilich wird auch Niebels großzügige Spende eines Exponats zum die ganze Geschichte der Bundesrepublik überwölbenden Thema des politischen Sich-treu-Bleibens wohl kaum etwas daran ändern, dass jedenfalls für ältere (West-)Deutsche „der Mann mit der Mütze“ Helmut Schön bleibt.

Quelle: F.A.Z.

 

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