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Fraktur - Die Sprachglosse : Das Aus

Kurz vor dem Aus Bild: Wilhelm Busch

Allende am Ende? Das war einmal. Heutzutage scheitert überhaupt keiner mehr. Im schlimmsten Fall wartet auf uns alle nur das Eine.

          Steht Schweinsteiger vor dem Aus? Diese Frage darf man eigentlich gar nicht mehr stellen, denn aus ihr könnte irrigerweise gefolgert werden, man halte diesen deutschen Führungsspieler doch irgendwie für eine Memme. Das aber hat der von solcher Kritik ermüdete Bundespräsident, äh -trainer gerade erst in seiner großen Rede zur Lage der Nation(almannschaft) verboten. Wir versichern daher an dieser Stelle untertänigst, dass die Eingangsfrage wirklich nur illustrieren soll, wie sich die Sprachgepflogenheiten ändern, und wir uns mit ihnen.

          Früher hätte das Bild, das uns bei einer solchen Frage in den Sinn gekommen wäre, etwa so ausgesehen: Schweinsteiger steht auf dem Fußballplatz vor der Seitenauslinie und überlegt, von drei Gegenspielern bedrängt, wohin er den Ball spielen soll. Heutzutage dagegen ruft die Aus-Frage beim besorgten Publikum eher metapsychologische Schreckensvisionen hervor: Zerbricht das Mittelfeldgenie am unmenschlichen Druck, der neuerdings auf Nationalspielern lastet („Sing, du Schweini!“)? Taugt das Ego seiner Wade nur noch zum Wandern? Scheitert die eingetragene Leidenspartnerschaft mit Lothar Matthäus?

          Schuld an dieser Bedeutungsverschiebung ist natürlich wieder die Politik. Sie erst hat das Aus zum großen Nirwana gemacht, zu dem Schwarzen Loch, das sich schlagartig vor jedem und allem auftun kann. Klassikerschlagzeilen wie „Allende vor dem Ende“ gäbe es heute nicht mehr: In unseren Tagen stünde Allende zwangsläufig vor dem Aus. Und teilte damit das Schicksal des Ehegattensplittings, der Atomenergie und der Kanzlerkandidatur Sigmar Gabriels, um nur einige Beispiele zu nennen. Nur noch vor dem Aus stehen zu können hat freilich den Riesenvorteil, dass nichts und niemand mehr vom Scheitern bedroht ist.

          Aber wie sieht es dort eigentlich aus, im Aus? Das sollte man endlich einmal jemanden fragen, der nicht nur davorstand, sondern das Aus schon betreten hat. Politiker i. A. und solche, die zumindest Nahauserfahrungen gemacht haben, gibt es doch genug. Warum sind die eigentlich so schweigsam? Ist es im Aus, dem Outback der Politik, vielleicht gar nicht so schlimm? Ausgezeichnete Fragen, die der Erörterung bedürften. Doch bedeutet an dieser Stelle der Computer dem Verfasser, dass auch er schon vor dem Aus steht, zumindest umbruchtechnisch. Also aus die Maus.

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